Barrierefreiheit in Luxembourg

Schriftdolmetschen: Echtzeit-Untertitelung für gehörlose und schwerhörige Menschen

Für Menschen mit Hörbeeinträchtigung ist mündliche Kommunikation oft eine Herausforderung. Das gilt zum Beispiel für Vorlesungen, Gespräche am Arbeitsplatz, Arztbesuche oder öffentliche Veranstaltungen. Schriftdolmetschen, auch Echtzeit-Untertitelung genannt, bietet hier eine Lösung: Das Gesprochene wird live in geschriebenen Text übertragen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Schriftdolmetschen funktioniert, wo es eingesetzt wird und wie Sie es in Luxemburg organisieren können.

Schweigepflicht und Ergänzungsfunktion

Schriftdolmetschende unterliegen der Schweigepflicht. Außerdem ergänzt Schriftdolmetschen andere Barrierefreiheitslösungen sinnvoll. Dazu gehören beispielsweise vorab erstellte Untertitel oder Gebärdensprache. Diese Kombination entspricht dem Zwei-Sinne-Prinzip.

Das englischsprachige Äquivalent ist Communication Access Realtime Translation (CART). In den USA wird CART offiziell als eigenständige Barrierefreiheits-Maßnahme für gehörlose und schwerhörige Menschen anerkannt.

Wie organisieren Sie Schriftdolmetschen in Luxemburg?

Um Schriftdolmetschen zu organisieren, wenden Sie sich an die Hörgeschädigten Beratung SmH (hoergeschaedigt.lu). Damit die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert, sollten Sie wichtige Unterlagen frühzeitig bereitstellen. Dazu gehören Ablaufpläne, Fachbegriffe, Präsentationen und die Namen der Teilnehmenden.

Darüber hinaus sind gute Arbeitsbedingungen wichtig. Dazu zählen ein Tisch mit Stuhl ohne Armlehne, ein Stromanschluss, ausreichend Licht und eine gute Akustik. Da Schriftdolmetschen sehr anstrengend ist, werden bei Einsätzen von mehr als einer Stunde mindestens zwei Schriftdolmetschende benötigt. Sie wechseln sich regelmäßig ab.

Vielfältige Einsatzorte, vor Ort oder auf Distanz

Schriftdolmetschen kann in vielen Bereichen eingesetzt werden. Dazu gehören der Gesundheitsbereich, Arztbesuche, Krankenhäuser, der Arbeitsplatz, Schulen und Ausbildungsstätten. Ebenso ist der Einsatz bei Behörden, vor Gericht, bei der Polizei, in Gottesdiensten und bei Vereinsaktivitäten möglich. Auch private Feiern wie Hochzeiten sowie Kultur- und Freizeitveranstaltungen können barrierefrei gestaltet werden.

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Schriftdolmetschen vor Ort und Schriftdolmetschen auf Distanz. Beim Präsenz-Schriftdolmetschen sitzen die Dolmetschenden direkt neben der betroffenen Person, abseits im Raum oder in einem Nebenraum. Befinden sie sich nicht im selben Raum, ist jedoch eine Tonübertragung nötig, beispielsweise über eine FM-Anlage.

Beim Onlinedolmetschen erfolgt die Übertragung über ein Videokonferenz-Tool. Dafür wird ebenfalls eine stabile Tonverbindung benötigt.

Drei Methoden des Schriftdolmetschens

Vor jedem Einsatz bereiten sich Schriftdolmetschende gezielt vor. Sie beschäftigen sich mit dem Thema und lernen wichtige Fachbegriffe kennen. Außerdem erstellen sie Kürzel, beispielsweise für Namen von Personen und Institutionen.

In Luxemburg und Deutschland kommen vor allem drei Methoden zum Einsatz. Diese können je nach Situation auch miteinander kombiniert werden:

  • Schriftdolmetschen mit Spracherkennung (Respeaking): Das Gehörte wird in ein auf die eigene Stimme trainiertes Spracherkennungssystem nachgesprochen, das die Sprache fast zeitgleich in Text umwandelt; Korrekturen erfolgen direkt über die Tastatur.
  • Die computergestützte Maschinen-Stenografie: Auf einer speziellen Steno-Tastatur können mehrere Tasten gleichzeitig gedrückt werden, ähnlich wie beim Klavierspielen, wodurch ganze Silben oder Wörter auf einmal geschrieben werden können.
  • Die konventionelle Methode: Eine normale Computertastatur wird genutzt, um das Gesprochene mitzutippen. Bei zu hoher Sprechgeschwindigkeit wird zusammengefasst.

Je nach Situation arbeiten Schriftdolmetschende mit einer speziellen Mikrofonmaske (Stenomaske) im selben Raum, oder mit Headset in einem Nebenraum bzw. einer Dolmetschkabine.

Ein Dienst der schriftlichen Echtzeit-Übertragung

Schriftdolmetschen ist eine spezielle Form des Dolmetschens. Sie wurde für gehörlose, schwerhörige und ertaubte Menschen entwickelt. Dabei werden akustische Informationen live in Schriftform übertragen. Dazu gehören nicht nur gesprochene Worte, sondern auch nonverbale Äußerungen und Geräusche wie Lachen oder Beifall. Außerdem werden Ironie und Sprecherwechsel sichtbar gemacht.

Die betroffene Person liest den Text auf einem Bildschirm, Tablet oder einer Leinwand mit. Besonders hilfreich ist dieses Angebot für Menschen, die lautsprachlich kommunizieren und wenig oder keine Gebärdensprache nutzen.

Der große Vorteil gegenüber einer Aufzeichnung oder einer späteren Zusammenfassung liegt in der Echtzeit-Übertragung. Betroffene können sofort mitlesen, Fragen stellen und aktiv am Gespräch teilnehmen.

Quellen