Barrierefreiheit in Luxembourg

Schlagwort: Technologie

  • Cap’FALC und Accessilingua – Zwei Wege zum selben Ziel

    Cap’FALC und Accessilingua – Zwei Wege zum selben Ziel

    Wie Frankreich und Luxemburg an der Zukunft der Leichten Sprache arbeiten

    In Frankreich wird Cap’FALC entwickelt, in Luxemburg Accessilingua. Beide Projekte nutzen Künstliche Intelligenz (KI), um Texte in Leichte Sprache zu übersetzen. Aber die Ansätze, Zielgruppen und Philosophien sind unterschiedlich. Es gibt eben verschiedene Wege, um dasselbe Ziel zu erreichen.

    Was haben sie gemeinsam?

    Bevor wir auf die Unterschiede eingehen, schauen wir uns zunächst an, was beide Projekte gemeinsam haben:

    1. Die Technologie Beide nutzen Künstliche Intelligenz, um Texte zu vereinfachen. Die KI analysiert komplizierte Texte und schlägt einfachere Versionen vor, die den Regeln der Leichten Sprache entsprechen.

    2. Das Ziel Beide Projekte haben dasselbe Hauptziel: Mehr Texte in Leichter Sprache produzieren – und schneller. Ohne diese Technologie dauert es 2 Stunden, um einen einzigen Text von 500 Wörtern in Leichte Sprache zu übersetzen.

    3. Die Grenzen der KI Beide Projekte unterstreichen: Die KI ist ein Hilfsmittel, kein Ersatz für menschliche Experten. Eine menschliche Überprüfung und Validierung bleibt essenziell.

    4. Die Regeln Beide basieren auf den Regeln von Inclusion Europe, für FALC (Frankreich) oder Leichte Sprache (Deutschland/Luxemburg).

    5. Die Hauptidee Beide Projekte teilen die Überzeugung, dass Information für jeden zugänglich sein muss. Künstliche Intelligenz kann helfen, dieses Ziel schneller zu erreichen.

    Wo sind die Unterschiede?

    Trotz dieser Gemeinsamkeiten unterscheiden sich die beiden Projekte stark:

    Ursprung und Kontext

    AspektCap FALCAccessilingua
    LandFrankreichLuxemburg
    InitiatorUNAPEI (Verband für Menschen mit Behinderung)GovTech Lab (Ministerium für Digitalisierung)
    Startdatum20182024
    PartnerMeta AI, INRIATeam SoftGiant, CTIE, Klaro

    Cap’FALC ist aus der FALC-Bewegung selbst entstanden. Die UNAPEI, der nationale Verband für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, hat gesehen, dass das Land mehr Übersetzungskapazität braucht. Also haben sie das Tool entwickelt.

    Accessilingua ist ein Top-down-Ansatz: Die Regierung hat gesehen, dass auf guichet.lu nicht genug Texte in Leichter Sprache existieren, weil die Produktion zu lange dauert. Also hat das GovTech Lab einen Appel à Solutions gemacht.

    Zielpublikum

    Cap’FALC:

    • FALC-Ateliers in Frankreich
    • Transkripteure aus ESAT (Werkstätten und Betriebe für Menschen mit Behinderung)
    • Zugang vorrangig für Menschen, die in FALC ausgebildet sind

    Accessilingua:

    • Öffentliche Verwaltung in Luxemburg
    • Redakteure von guichet.lu, infocrise.lu usw.
    • Am Anfang: Nur für Regierungsorgane
    • Hoffnung: Später eventuell für die breite Öffentlichkeit

    Der wichtigste Unterschied: Cap FALC ist ein Tool VON Menschen mit Behinderung FÜR Menschen mit Behinderung. Accessilingua ist ein Tool für die Verwaltung – mit Hilfe von Klaro entwickelt – um Dokumente zu erstellen, die von Menschen mit Behinderung gelesen werden.

    Funktionalitäten

    Cap FALC bietet:

    • KI-Vereinfacher: Schlägt einfachere Sätze vor
    • Kollaboratives Wörterbuch: Von Nutzern erstellte Definitionen
    • Kollaborative Bilddatenbank: Geteilte Illustrationen
    • Community-Feature: Alle Nutzer können zur Übersetzungsfunktion beitragen

    Accessilingua bietet:

    • KI-Übersetzung: Generiert Texte in FALC/Leichte Sprache
    • Luxemburger Anpassung: Berücksichtigt lokale Wörter (z.B. „Formation“ statt „Weiterbildung“, „Chamberwal“ statt „Parlamentswahl“)
    • Zwei Sprachen: Französisch (FALC) und Deutsch (Leichte Sprache)
    • Integration: Direkt mit Guichet.lu und anderen Regierungsseiten

    Der wichtigste Unterschied: Cap’FALC ist eine komplette Arbeitsumgebung mit Community-Features. Accessilingua ist stärker auf die Übersetzungsfunktion fokussiert.

    Fazit

    Cap FALC und Accessilingua sind keine Konkurrenten. Sie sind Beispiele für verschiedene Ansätze, jeweils optimiert für das Land und das Zielpublikum. Beide Projekte zeigen:

    ✅ Künstliche Intelligenz kann Leichte Sprache demokratisieren
    ✅ Menschliche Validierung bleibt essenziell
    ✅ Es braucht technische und kreative Lösungen, um mehr Informationen für jeden zugänglich zu machen


  • Cap’FALC – Innovation aus Frankreich für Leichte Sprache

    Cap’FALC – Innovation aus Frankreich für Leichte Sprache

    Wenn Künstliche Intelligenz die Übersetzer unterstützt

    In Frankreich ist die UNAPEI, die große nationale Vereinigung für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, einen besonderen Weg gegangen: Mit Cap FALC haben sie ein Werkzeug entwickelt, das nicht nur KI nutzt, sondern das auch zusammen mit Menschen mit Beeinträchtigung und mit Übersetzern gebaut wurde. Ein Modell, das zeigt, wie Partizipation in der Entwicklung von Technologie funktionieren kann.

    Was ist Cap FALC?

    Cap’FALC ist ein Online-Werkzeug, das es einfacher macht, Dokumente in FALC – die französische Leichte Sprache – zu erstellen. Das Werkzeug kombiniert verschiedene Funktionalitäten:

    1. Ein Algorithmus mit Künstlicher Intelligenz Die KI schlägt einfachere Sätze vor, die den Regeln von FALC entsprechen. Aber Achtung: Es ist der Übersetzer, der entscheidet, ob der Vorschlag gut ist oder noch angepasst werden muss.

    2. Ein kollaboratives Wörterbuch Alle Benutzer haben Zugang zu Definitionen von Wörtern und Konzepten, geschrieben nach den Regeln von FALC. Alle Benutzer können auch ihre eigenen Definitionen hinzufügen.

    3. Eine kollaborative Bilddatenbank Um die Dokumente mit Bildern zu illustrieren, gibt es eine Sammlung von geteilten Bildern. Genau wie beim Wörterbuch kann jeder Benutzer seine eigenen Bilder hinzufügen.

    Wie ist Cap’FALC entstanden?

    Die Geschichte von Cap’FALC hat einen besonderen Weg.

    Der Kontext: FALC in Frankreich Vor ungefähr 15 Jahren hat die UNAPEI begonnen, die Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen, dass Information für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung zugänglich sein muss. Sie haben die Methode FALC (Facile à Lire et à Comprendre – Leicht zu Lesen und zu Verstehen) gefördert.

    Nach ein paar Jahren wurde die Nachfrage immer größer. Viele Organisationen, Unternehmen und Institutionen wollten ihre Texte in FALC schreiben oder übersetzen. Aber es war klar: Für eine echte Barrierefreiheit müssten noch viel mehr Texte übersetzt werden. Ein kolossales Projekt!

    Der Start des Projekts 2018 hat die UNAPEI beschlossen zu handeln. Sie haben ein Forschungsprojekt gestartet, das in Zusammenarbeit mit renommierten Partnern aus der Künstlichen Intelligenz gemacht wurde:

    • Meta AI (das Forschungslabor von Facebook/Meta)
    • INRIA (Institut National de Recherche en Informatique et Automatique)

    Das Projekt wurde unter die Hohe Schirmherrschaft des französischen Sekretariats für Menschen mit Behinderung gestellt.

    Der Forscher mit FALC-Erfahrung

    Das Projekt wurde einem jungen Wissenschaftler anvertraut: Louis Martin, Doktorand und Forscher über Sprachverarbeitung und Textvereinfachung.

    Seine Herangehensweise war innovativ:

    1. Ausbildung in FALC: Louis Martin hat sich selbst am ESAT de la Roseraie in FALC ausbilden lassen
    2. Immersion in einer Werkstatt: Er hat eine Zeit in einer FALC-Werkstatt verbracht – bei den Papillons Blancs de Dunkerque – um zu verstehen, wie die Übersetzung funktioniert
    3. Sammlung von Daten: Er hat bei Übersetzungswerkstätten Texte gesammelt, die schon in FALC übersetzt waren
    4. Algorithmus-Entwicklung: Mit diesen Beispielen hat er einen Algorithmus mit Künstlicher Intelligenz entwickelt, der automatisch vereinfachten Text generiert

    Co-Entwicklung mit den Benutzern

    Aber Cap’FALC ist mehr als nur ein KI-Algorithmus. Das Werkzeug wurde zusammen mit den Leuten gebaut, die es auch benutzen werden.

    2020: Die Basis-Entwicklung Mitglieder von Übersetzungswerkstätten aus dem UNAPEI-Netzwerk, die Vereinigung „Nous Aussi“ (Selbstvertreter) und die CNSA haben zusammen die Basis von Cap’FALC gebaut.

    2022: Test-Phase Übersetzer aus ESAT vom UNAPEI-Netzwerk haben das Werkzeug getestet und ihr Feedback gegeben.

    Das Resultat: Ein Werkzeug, das auf vielen Ebenen innovativ ist, aber das auch die Erfahrung der Benutzer integriert.

    Warum ist diese Herangehensweise so besonders?

    Partizipation als Prinzip Cap FALC folgt der goldenen Regel von FALC: Die Einbeziehung von Menschen mit Beeinträchtigung. Sie sind nicht nur „Zielgruppe“ – sie sind aktiv an der Entwicklung beteiligt.

    Künstliche Intelligenz als Hilfswerkzeug Die KI schlägt Vereinfachungen vor – aber die Menschen mit Beeinträchtigung entscheiden. Das ist der Schlüssel: Die Technologie unterstützt, aber ersetzt nicht.

    Kollaboration statt Isolation Mit dem Wörterbuch und der Bilddatenbank arbeiten alle Benutzer zusammen. Jede Definition, jedes Bild, hilft anderen.

    Veröffentlichung

    Der Rollout hat 2024 begonnen Anfang 2024 hat Cap’FALC begonnen, im UNAPEI-Netzwerk verbreitet zu werden. Werkstatt nach Werkstatt wird das Werkzeug eingeführt.

    Das Ziel
    Die UNAPEI will, dass die Information für jeden zugänglich wird. Cap FALC soll die FALC-Produktion „demokratisieren“ – also mehr Leuten ermöglichen, mehr Texte in FALC zu produzieren.

  • Accessilingua – Künstliche Intelligenz für Leichte Sprache

    Accessilingua – Künstliche Intelligenz für Leichte Sprache

    Wenn die Technologie die Inklusion unterstützt

    Es dauert 2 Stunden, um einen Basistext von 500 Wörtern in Leichte Sprache zu übersetzen. Im Kontext des Schreibens von Texten in FALC und „Leichter Sprache“ für die Guichet.lu-Website ist es schwierig, Texte in großen Mengen zu produzieren. Was, wenn eine Künstliche Intelligenz dies beschleunigen könnte?

    Das Problem: Zu viel Arbeit, zu wenig Zeit

    Aktuell wählt das Redaktionsteam von Guichet.lu die relevanten und dringenden Texte aus und schreibt sie in FALC und Leichte Sprache um. Danach:

    1. Versand an Klaro: Diese Vorschläge werden an Klaro geschickt, einen Service der APEMH, dem offiziellen Zentrum für Leichte Sprache
    2. Validierung durch Experten: Klaro schickt die Texte an Mitarbeiter mit intellektueller Beeinträchtigung, die prüfen, ob sie verständlich sind
    3. Logo-Zertifizierung: Das Inclusion Europe Logo zertifiziert diese Überprüfung

    Dieser Prozess ist lang und zeitaufwändig für öffentliche Organisationen, was die Verbreitung von Texten in FALC und „Leichter Sprache“ in großem Maßstab begrenzt.

    Eine Lösung: AccessiLingua

    Was ist AccessiLingua?

    Das GovTech Lab hat ein Tool gesucht, das auf Künstlicher Intelligenz basiert und fähig ist, Autoren bei der Übersetzung ihres Textes in Leichte Sprache so effizient wie möglich zu unterstützen.

    Wer steht hinter AccessiLingua?

    Das GovTech Lab des Digitalisierungsministeriums und das CTIE haben in Zusammenarbeit mit dem Familienministerium im Mai 2024 einen Appel à Projet (Projektausschreibung) gestartet.

    Wie funktioniert es?

    1. Input: Schwerer Text Ein schwerer (so werden Texte genannt, die nicht in Leichter Sprache geschrieben sind) Verwaltungstext wird in das System eingegeben – auf Französisch oder Deutsch.

    2. KI-Verarbeitung Die Künstliche Intelligenz (KI) analysiert den Text und produziert eine Version in Leichter Sprache, die die Regeln von FALC oder „Leichter Sprache“ so gut wie möglich respektiert.

    3. Menschliche Korrektur Diese Version des Textes wird noch nachgeprüft und von Fachpersonen für Leichte Sprache validiert. Dies ist essentiell – die KI ist nur ein Hilfsmittel, kein Ersatz für menschliche Experten!

    4. Validierung durch die Zielgruppe Nach dem Korrekturlesen durch Fachpersonen wird der Text wie immer an Prüfer – wie das Atelier Isie – zur finalen Validierung geschickt.

    Was sind die Vorteile?

    Schnellere Produktion Anstatt 2 Stunden für 500 Wörter kann die KI eine erste Version in Minuten produzieren.

    Mehr Texte verfügbar Mit einer KI-Unterstützung können mehr Texte in Leichter Sprache auf Regierungswebsites verfügbar gemacht werden.

    Konsistenz Die KI benutzt dieselben Regeln und bleibt konsistent.

    Luxemburger Kontext Das Tool soll Texte auf Französisch und Deutsch in Leichte Sprache umschreiben, die so gut wie möglich die französischen und deutschen Regeln respektieren, sowie Ausdrücke, Abkürzungen und gebräuchliche Namen im Luxemburger Kontext.

    Wann ist es verfügbar?

    Wirtschaftliche Akteure, die interessiert waren, an „AccessiLingua“ teilzunehmen, wurden eingeladen, ihr Bewerbungsdossier bis zum 10. Juni 2024 einzureichen.

    Ein Dienstleister wurde Ende 2024 ausgewählt.

    Was sagt Klaro dazu?

    Nach einem Interview mit Klaro im April 2025 scheinen die ersten Ergebnisse vielversprechend zu sein. Aber es ist klar: Eine menschliche Korrektur bleibt immer notwendig, bevor ein Dokument an das Atelier Isie geschickt wird.

    Grenzen der KI

    ⚠️ Nicht für jeden zugänglich Am Anfang wird das Programm nur für Regierungsorgane verfügbar sein. Aber Klaro hofft, dass es in Zukunft für die breite Öffentlichkeit geöffnet wird.

    ⚠️ Ersetzt keine menschlichen Experten Die KI kann nicht die Nuancen und den menschlichen Verstand ersetzen. Sie ist ein Hilfsmittel – nicht mehr, nicht weniger.

    ⚠️ Der Kontext ist wichtig Manchmal muss man Informationen hinzufügen oder weglassen. Dies kann eine KI nicht immer richtig entscheiden.

    Andere Länder arbeiten auch daran

    Luxemburg ist nicht allein. Verschiedene Länder arbeiten an ähnlichen Systemen:

    • Deutschland hat Tools für Leichte Sprache entwickelt
    • Die Europäische Union unterstützt Forschungen in diesem Bereich
    • Verschiedene Universitäten arbeiten mit Natural Language Processing für zugängliche Texte

    Die Zukunft: Künstliche Intelligenz als Partner

    AccessiLingua ist ein Beispiel dafür, wie Technologie Inklusion unterstützen kann. Zusammen können wir mehr Informationen für mehr Leute zugänglich machen.