Barrierefreiheit in Luxembourg

Schlagwort: Leichte Sprache

  • Luxemburg veröffentlicht neuen Leitfaden für „Leichte Sprache“ auf Luxemburgisch

    Luxemburg veröffentlicht neuen Leitfaden für „Leichte Sprache“ auf Luxemburgisch

    Am 16. Juni 2026 haben das luxemburgische Kulturministerium und das Zenter fir d’Lëtzebuerger Sprooch (ZLS) eine neue Broschüre mit dem Titel „Liicht Sprooch Lëtzebuergesch“ vorgestellt. Das 64-seitige Dokument enthält erstmals Regeln und Empfehlungen für eine barrierefreie, leicht verständliche Kommunikation auf Luxemburgisch.

    Ein Werkzeug für Behörden

    Die Broschüre richtet sich vor allem an Verwaltungen, Ministerien und andere öffentliche Stellen. Sie soll ihnen helfen, Informationen so zu formulieren, dass sie für ein möglichst breites Publikum verständlich sind. Kulturminister Eric Thill betonte, Sprache sei ein zentraler Schlüssel zu Information und gesellschaftlicher Teilhabe, und die neue Broschüre schaffe eine Grundlage für mehr Chancengleichheit.

    Die wichtigsten Regeln der Leichten Sprache

    Ähnlich wie die deutsche „Leichte Sprache“ folgt auch die luxemburgische Variante einigen klaren Grundsätzen:

    • einfache, gebräuchliche Wörter;
    • Erklärungen für schwierige Begriffe;
    • kurze Sätze mit jeweils nur einer Information;
    • ein einfacher Satzbau (Subjekt – Verb – Objekt);
    • aktive statt passive Formulierungen;
    • eine übersichtliche Gestaltung mit kurzen Abschnitten und Zwischenüberschriften;
    • Bilder und Piktogramme zur Veranschaulichung;
    • eine größere, serifenlose Schrift;
    • fett hervorgehobene, wichtige Informationen.

    Ein europäisches Logo von Inclusion Europe kennzeichnet Texte, die diesen Kriterien entsprechen. Voraussetzung dafür ist, dass der Text von einer Prüfgruppe aus Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung gelesen und freigegeben wurde.

    Wer profitiert von Leichter Sprache?

    Behördentexte sind oft auf einem Sprachniveau verfasst, das für viele Menschen eine echte Hürde darstellt. Dazu zählen Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, Demenz oder Aphasie sowie Menschen mit Hör- oder Sehbeeinträchtigung. Auch ältere Menschen, Personen, die die Sprache gerade lernen, und Menschen mit Legasthenie profitieren von Leichter Sprache. Selbst Leserinnen und Leser ohne besondere Schwierigkeiten erfassen damit Kerninformationen schneller.

    Eine gemeinsame Entwicklung

    Das Konzept der Leichten Sprache geht auf eine Initiative von Inclusion Europe aus dem Jahr 2009 zurück, die zunächst mit mehreren europäischen Partnerländern entwickelt und seither in viele Sprachen übertragen wurde. In Luxemburg gab Pierre Reding, damals interimistischer Direktor des ZLS, den Auftrag, eine luxemburgische Fassung zu erarbeiten, die der offiziellen Dreisprachigkeit des Landes gerecht wird. Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung waren von Anfang an in die Arbeitsgruppe eingebunden – unter dem Motto: „Wir machen etwas für die Menschen mit den Menschen.“

    Broschüre herunterladen

    Das Dokument steht kostenlos als PDF zum Download bereit (64 Seiten, 1,03 MB):

    🔗 Liicht Sprooch Lëtzebuergesch (PDF)

    Rückmeldungen aus der Praxis fließen in künftige, regelmäßig aktualisierte Auflagen der Publikation ein.

  • ISIE NEWS – Nachrichten in Leichter Sprache

    ISIE NEWS – Nachrichten in Leichter Sprache

    Wenn Nachrichten zugänglich werden

    Wie verstehen Menschen mit Lernschwierigkeiten, was in der Welt passiert? Wie können sie an politischen Diskussionen teilnehmen, wenn die meisten Nachrichten zu schwer zu lesen sind? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Projekts Isie News – einer neuen Initiative der APEMH, die im Mai 2026 mit dem Prix de l’inclusion numérique ausgezeichnet wurde.

    Die Idee: Von Betroffenen für Betroffene

    Die Idee für Isie News kam von zwei Mitarbeiterinnen aus dem Atelier Isie mit Lernschwierigkeiten. Die beiden Frauen sind politisch sehr interessiert und wollen über aktuelle Ereignisse diskutieren – doch sie kritisieren zu Recht, dass es in Luxemburg nach wie vor zu wenige Nachrichten gibt, die gut zu verstehen sind.

    Ihre Schlussfolgerung: Es braucht eine Plattform für inklusive, zugängliche Nachrichten – und zwar online, weil das digitale Umfeld viele technische Möglichkeiten bietet, Barrieren abzubauen.

    Warum Nachrichten in Leichter Sprache?

    Das Recht, seine Meinung frei zu äußern, Zugang zu Informationen zu haben sowie das Recht auf Teilhabe am politischen und öffentlichen Leben sind in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verankert, die Luxemburg 2011 unterzeichnet hat.

    In der Realität stehen aber viele Menschen vor Barrieren, wenn sie Nachrichten lesen.

    Drei Arbeitsmethoden

    Das Projekt Isie News basiert auf einem innovativen Arbeitsmodell mit drei Achsen:

    1. Ko-Produktion – Die Mitarbeiterinnen mit Lernschwierigkeiten arbeiten von Anfang an mit – sie entscheiden mit, wie die Nachrichten aussehen sollen, und sind Vollmitglieder der Redaktion.
    2. Peer-to-Peer – Die Mitarbeiterinnen erstellen ein Produkt, das für andere Menschen mit Lernschwierigkeiten zugänglich ist. Sie wissen aus eigener Erfahrung, was funktioniert – und was nicht.
    3. Peer-to-Professional – Die Mitarbeiterinnen sind Expertinnen für inklusive Kommunikation. Sie können andere Medien beraten, wie man zugängliche Inhalte produzieren kann.

    Ist der Online-Weg der richtige?

    Der digitale Kanal ist eine gute Wahl, weil er gleichzeitig die Möglichkeit bietet, verschiedene Barrieren zu umgehen:

    • Screenreader für Menschen mit Sehproblemen
    • Audios für Menschen, die nicht gut lesen können
    • Videos mit visueller Unterstützung
    • Einfache Navigation und Kompatibilität mit digitalen Assistenztechnologien

    Zusätzlich möchte Isie News mit lokalen Medienhäusern zusammenarbeiten, um ein nachhaltiges Netzwerk für inklusive Nachrichten in Luxemburg aufzubauen.

    Drei Phasen des Projekts

    Das Projekt läuft in strukturierten Schritten ab:

    • Phase 1 – Konzeption: Das Ko-Produktionsteam diskutiert gemeinsam, wie das Projekt umgesetzt wird: Welche Form sollen die Nachrichten haben? Wie oft werden sie veröffentlicht? Welche Themen werden vorrangig behandelt?
    • Phase 2 – Testen: Verschiedene Nachrichtenformate werden erstellt und von Mitarbeiterinnen getestet: Sind sie wirklich gut zu verstehen? Was muss verbessert werden?
    • Phase 3 – Veröffentlichung: Die Nachrichten werden online gestellt – idealerweise in Kooperation mit einem lokalen Medienhaus.

    Der Prix de l’inclusion numérique 2026

    Beim 8. Interdisziplinären Forum über digitale Inklusion erhielt die APEMH den Prix de l’inclusion numérique 2026 – eine wichtige Anerkennung für das Projekt Isie News und für die Arbeit des gesamten Atelier Isie.

    Dieser Preis unterstreicht: Inklusion im digitalen Raum ist kein Randthema – es ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Und Ideen kommen manchmal nicht aus den Büros der Politiker, sondern von den Menschen, die täglich mit Barrieren umgehen müssen.

    Isie News im größeren Kontext

    Isie News fügt sich in ein umfassendes Gesamtbild ein, das in Luxemburg in Bewegung geraten ist:

    • Accessilingua entwickelt eine KI-Unterstützung für die Produktion von Texten in Leichter Sprache
    • Guichet.lu bietet immer mehr Verwaltungsverfahren in Leichter Sprache an
    • Klaro bietet Übersetzungen an

    Während die anderen Initiativen hauptsächlich administrative oder bildungsbezogene Inhalte zugänglich machen, schließt Isie News eine andere Lücke: den aktuellen Nachrichtenbetrieb. Menschen mit Lernschwierigkeiten sollen nicht nur ihre Steuererklärung verstehen können – sie sollen auch wissen, was in der Welt und in Luxemburg passiert.


    Quellen:

  • 37 Angebote „Tourismus & Kultur für alle“ in Leichter Sprache

    37 Angebote „Tourismus & Kultur für alle“ in Leichter Sprache

    Der Syndicat Intercommunal Kanton Réiden stellt einen neuen Ordner vor: „Tourismus & Kultur für alle“ – ein Projekt, das die Region noch zugänglicher machen soll.

    Der Ordner umfasst 37 verschiedene Angebote, die in sechs Kategorien unterteilt sind: geführte Besichtigungen, Wanderwege, sportliche Aktivitäten, Gastronomie, Unterkünfte sowie kulturelle Veranstaltungen.

    Ein zentrales Ziel ist die Förderung der Inklusion. Insbesondere Menschen mit geistiger Beeinträchtigung sollen besseren Zugang zu touristischen und kulturellen Angeboten erhalten. Gleichzeitig werden Fachleute und die Öffentlichkeit für diese Bedürfnisse sensibilisiert.

    Das Projekt wurde gemeinsam mit regionalen Partnern entwickelt und bietet eine praktische Orientierungshilfe für Einheimische und Besucher.

  • OSAPS veröffentlicht Leitfaden für klare Sprache im Finanzsektor

    OSAPS veröffentlicht Leitfaden für klare Sprache im Finanzsektor

    Das OSAPS (Office de la surveillance de l’accessibilité des produits et services) hat einen wichtigen neuen Leitfaden herausgebracht, der Banken und Finanzinstituten helfen soll, ihre Kommunikation verständlicher zu gestalten. Der Leitfaden wurde unter der Leitung von Sylvie Bonne, einer Expertin für klare Sprache, entwickelt.

    Was ist das Ziel des Leitfadens?

    Der Leitfaden richtet sich an Bankdienstleister – aber nicht nur an diese – und hilft ihnen, die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten. Konkret geht es darum, „sicherzustellen, dass die Informationen verständlich sind und einen Komplexitätsgrad von B2 nicht überschreiten“.

    Das Gesetz schreibt nur vor, dass das Vokabular das Niveau B2 nicht überschreiten darf. Es gibt jedoch keine genauen Regeln für das Verfassen von Texten. Dieses Dokument bietet daher einen freiwilligen Rahmen für das Schreiben in klarer Sprache auf der Stufe B1.

    Was steht im Leitfaden?

    Der Leitfaden enthält:

    • Empfehlungen, um die Hauptprobleme für Lesbarkeit und Verständlichkeit zu überwinden
    • Tipps für interne Schulungen im Unternehmen
    • Ein einfaches Verfahren zur Durchführung von Benutzertests
    • Beispiele für das Layout von Dokumenten
    • Eine Checkliste für das Korrekturlesen

    Und natürlich erfüllt der Leitfaden selbst alle Kriterien, die er empfiehlt!

    Für wen ist der Leitfaden gedacht?

    Der Leitfaden richtet sich an ein breites Publikum, das nicht mit fachtechnischen Dokumenten vertraut ist. Er bietet Hilfe zu den häufigsten Schwierigkeiten:

    • Komplexe Sprache und Fachjargon
    • Lange und dichte Texte
    • Fachvokabular
    • Komplizierte Sätze und Absätze
    • Fehlende klare Erklärungen
    • Schlecht lesbares Layout

    Mehr als gesetzliche Verpflichtungen

    Die Empfehlungen im Leitfaden gehen über die gesetzliche Verpflichtung hinaus und verfolgen zwei Ziele:

    1. Die Verschärfung der gesetzlichen Anforderungen an die Barrierefreiheit vorauszusetzen – Weil es wahrscheinlich ist, dass die Regeln in Zukunft noch strenger werden
    2. Die Qualität der Dienstleistungen für die Kunden nachhaltig zu verbessern – Um eine bessere Kundenerfahrung zu garantieren

    Eine wichtige Referenz

    Der Leitfaden deckt viele verschiedene Aspekte der klaren Sprache ab. Er bietet eine Synthese der sprachlichen, visuellen, technischen und semantischen Regeln, die derzeit gültig sind.

    Struktur und Präsentation

    • Richtige Formatierung
    • Klare Struktur und Überschriften
    • Erklärung komplizierter Begriffe
    • Verwendung von Symbolen und Bildern

    Inhalt

    • Verwendung eines Vokabulars vom Niveau B1
    • Einfache Sätze mit maximal 15-20 Wörtern
    • Konkrete Beispiele aus dem Alltag
    • Glossar für Fachbegriffe

    Barrierefreiheit

    • Gut lesbare Schrift (12-14 pt)
    • Passender Zeilenabstand
    • Linksbündiger Text
    • Barrierefreie Dokumente für Screenreader

    Konkrete Praxis

    Der Leitfaden hilft Finanzinstituten, ihre Dokumente – wie Kreditbedingungen, Verträge oder Informationen über Finanzprodukte – so zu schreiben, dass sie für jeden verständlich sind. Dies fördert die Transparenz und das Vertrauen zwischen den Banken und ihren Kunden. Es geht darum, dass jeder Kunde, unabhängig von seinen Sprachkompetenzen, wichtige Finanzinformationen verstehen kann.

    Zusammenarbeit mit Sylvie Bonne

    Sylvie Bonne, eine Expertin für Leichte Sprache in Luxemburg, hat eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Leitfadens gespielt. Sie hat besonderen Wert darauf gelegt, dass der Leitfaden kurz und praktisch bleibt für die Mitarbeiter der Banken. Der Leitfaden enthält zwar nicht alle Details, bietet aber eine solide Grundlage für den Anfang.

    Es war auch wichtig zu bedenken, welche Begriffe im Mündlichen verwendet werden, unter anderem auf Luxemburgisch. Das Glossar zeigt verschiedene Personen in verschiedenen alltäglichen Situationen, um die Beispiele realistischer zu machen.

    Ausblick

    Dieser Leitfaden ist ein erster wichtiger Schritt für mehr Barrierefreiheit im Finanzsektor. Er wird hoffentlich anderen Sektoren als Vorbild dienen und dazu beitragen, dass immer mehr Informationen in Luxemburg in klarer und verständlicher Sprache zur Verfügung stehen.

    ? Der Leitfaden kann als PDF-Datei auf Deutsch und auf Französisch heruntergeladen werden.

  • FALC vs Leichte Sprache vs Liicht Sprooch – Die Mehrsprachigkeit in Luxemburg

    FALC vs Leichte Sprache vs Liicht Sprooch – Die Mehrsprachigkeit in Luxemburg

    Eine Sprache reicht nicht mehr aus

    Luxemburg ist eines der mehrsprachigsten Länder in Europa. Die luxemburgische Bevölkerung wächst schon lange nicht mehr durch Geburten, sondern durch Einwanderung. Dies hat eine direkte Konsequenz: Leichte Sprache muss auch multilingual sein.

    Die Situation heute: Hauptsächlich Deutsch

    In Luxemburg wird aktuell vor allem die deutsche Leichte Sprache benutzt, weil das luxemburgische Schulsystem historisch immer stark auf Deutsch aufgebaut war. Luxemburger können Deutsch lesen, auch wenn es nicht ihre Muttersprache ist. Daher ist Leichte Sprache die meist benutzte Form von Leichter Sprache im Land.

    FALC: Für die französischsprachigen Mitbürger

    Neben der deutschen Leichten Sprache wird auch FALC (Facile à lire et à comprendre) – auch oft Facile à lire genannt – immer wichtiger. Die Redaktionsgruppe von Guichet.lu hat seit 2019 Texte in Leichter Sprache publiziert, und 2022 auch die ersten Merkblätter in FALC.

    FALC macht Informationen auf Französisch einfacher und verständlicher – besonders für Menschen mit Behinderung, Legastheniker, ältere Menschen oder Personen, die nicht gut Französisch können.

    Mehrsprachige Schulen und französischsprachige Kinder

    Seit vielen Jahren gibt es in Luxemburg immer mehr internationale und französischsprachige Schulsysteme. Viele Kinder lernen dort Französisch als Hauptsprache, nicht Deutsch. Es ist also wichtig, dass das französische FALC und auch die englische Leichte Sprache „easy language“ einen Platz in unserer Sprachlandschaft bekommen.

    Leichte Sprache auf Luxemburgisch: Noch Luft nach oben

    Bis jetzt gibt es keine offiziell definierte Leichte Sprache auf Luxemburgisch. Die Sprache ist orthografisch und grammatisch nicht immer einfach, was die Schaffung klarer Regeln kompliziert macht.

    Allerdings arbeitet Klaro zusammen mit dem Zentrum für die luxemburgische Sprache (ZLS) an der Entwicklung von Regeln für eine luxemburgische Leichte Sprache. Diese Regeln sollen bis Ende 2025 definiert werden.

    Es ist eine große Herausforderung, weil viele Menschen nicht viele Lese- und Schreibkompetenzen im Luxemburgischen in der Schule gelernt haben. Trotzdem wird die Nachfrage immer größer.

    Konsequenzen im Alltag

    1. Guichet.lu in verschiedenen Sprachen Guichet.lu publiziert Texte sowohl in Leichter Sprache als auch in FALC. Dies geschieht in Kooperation mit Klaro.

    2. Empfehlungen von Klaro Klaro empfiehlt, Texte in beiden Varianten anzubieten – also in Leichter Sprache und in FALC. Die Auswahl hängt aber immer von der Zielgruppe ab.

    3. Luxemburgische Spezifitäten Auf Luxemburgisch werden oft Wörter aus dem Französischen und aus dem Deutschen abgeleitet. Oft sind auch die luxemburgischen Wörter anders als ihre ausländischen Originale. Zum Beispiel „Chamberwalen“ anstatt „Parlamentswahlen“. Daher ist eine lokale Anpassung von Texten wichtig.

    Die Zukunft: Drei Leichte Sprachen

    In der Zukunft sollte Luxemburg drei Hauptformen von Leichter Sprache haben:

    1. Leichte Sprache (Deutsch) – aktuell die meist benutzte
    2. FALC (Französisch) – wichtig für die französischsprachige Bevölkerung
    3. Liicht Sprooch (Luxemburgisch) – noch in Entwicklung

    Aktuelle Entwicklungen

    Accessilingua – Künstliche Intelligenz für Leichte Sprache Im Rahmen eines Appel à Projets des Digitalisierungsministeriums wurde 2024 ein Projekt ausgewählt, um ein Tool mit künstlicher Intelligenz (AI) zu entwickeln. Dieses Tool soll bei der Erstellung von Leichter Sprache helfen. Die ersten Resultate sind vielversprechend, aber alle Texte brauchen noch immer eine menschliche Prüfung vor der Validierung.

    Wichtige Botschaften

    ✅ Mehrsprachigkeit ist eine Stärke, keine Schwäche. Luxemburg soll Leichte Sprache in verschiedenen Sprachen anbieten, um die Diversität der Bevölkerung zu respektieren.

    ✅ Luxemburgisch braucht Regeln. Die Entwicklung klarer Regeln für eine luxemburgische Leichte Sprache ist ein essenzieller nächster Schritt.

    ✅ Qualität vor Quantität. Alle Texte, egal in welcher Sprache, sollen von qualifizierten Prüfern validiert werden.

    Quellen:

  • Das Easy-to-Read Logo – Wie bekommt man es?

    Das Easy-to-Read Logo – Wie bekommt man es?

    Ein kleines Logo mit großer Bedeutung

    Wenn Sie ein Dokument in Leichter Sprache lesen, sehen Sie oft ein kleines Logo: Easy to Read. Aber was bedeutet dieses Logo? Und wie bekommt man es?

    Was ist das Easy-to-Read Logo?

    Das Easy-to-Read Logo ist ein geschütztes Logo von Inclusion Europe, einer europäischen Organisation, die sich für die Rechte von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung einsetzt.

    Was zeigt das Logo?

    Wenn ein Dokument dieses Logo hat, dann zeigt das:

    • ✅ Der Text respektiert die Regeln der Leichten Sprache
    • ✅ Der Text wurde von Menschen aus der Zielgruppe validiert
    • ✅ Der Text ist offiziell als „Leichte Sprache“ anerkannt

    Warum ist das Logo wichtig?

    1. Vertrauen
    Wenn Sie das Logo sehen, wissen Sie, dass der Text wirklich einfach zu lesen ist. Es ist nicht nur ein besser geschriebener Text – es ist ein Text, der nach internationalen Standards erstellt wurde.

    2. Erkennbarkeit
    Menschen, die Leichte Sprache brauchen, erkennen das Logo direkt. Sie wissen dann: „Dieser Text ist für mich!“

    3. Qualitätsgarantie
    Nicht jeder darf das Logo auf seine Texte setzen. Es gibt klare Kriterien, die erfüllt werden müssen.

    Wie bekommt man das Easy-to-Read Logo?

    Schritt 1: Die Regeln respektieren

    Ihr Text muss:

    • Kurze Sätze haben
    • Einfache Wörter benutzen
    • Eine klare Struktur haben
    • Von Bildern oder Piktogrammen unterstützt werden
    • Alle anderen Regeln von Inclusion Europe respektieren

    Schritt 2: Schulung oder Training

    Es ist empfohlen, eine Schulung in Leichter Sprache zu machen. In Luxemburg bieten diese Schulungen an:

    • Klaro – Hauptorganisation für Leichte Sprache
    • INAP – Institut national d’administration publique
    • UFEP – Unité de Formation et d’Éducation Permanente
    • IFEN – Institut de formation de l’éducation nationale

    Schritt 3: Relecture durch Experten

    Um das Inclusion Europe Logo zu bekommen, muss der Text von einem Atelier mit Menschen aus der Zielgruppe validiert werden.

    In Luxemburg sind das:

    • Atelier Isie (APEMH/Klaro)
    • Prüfer-Gruppe des CDI

    Diese Menschen:

    • Lesen den Text
    • Markieren Stellen, die schwer zu verstehen sind
    • Schlagen Verbesserungen vor
    • Entscheiden, ob der Text validiert werden kann

    Schritt 4: Anpassungen

    Wenn die Prüfer Änderungen vorschlagen, muss der Text angepasst werden. Dies kann einige Male hin und her gehen.

    Schritt 5: Finale Genehmigung

    Wenn alle Prüfer zufrieden sind, bekommen Sie eine Bestätigung. Jetzt dürfen Sie das Easy-to-Read Logo auf Ihrem Dokument benutzen!

    Wie viel kostet es?

    Bei Klaro in Luxemburg:

    • Die Schulungen haben einen Preis (abhängig von der Schulung)
    • Die Relecture durch das Atelier Isie ist eine Leistung, die bezahlt werden muss
    • Details finden Sie auf klaro.lu

    Beim CDI:

    • Für den SNEI und Kompetenzzentren (aktuell kostenlos im Rahmen ihres Service)
    • Zukünftige Regeln für andere Organisationen noch nicht definiert

    Unterschiede in der Benutzung des Logos

    ⚠️ Nicht jeder kann das Logo benutzen!

    Wenn Sie nur „inspiriert“ von Leichter Sprache sind, aber keinen offiziellen Validierungsprozess durchlaufen haben, dürfen Sie das Logo nicht benutzen.

    Sie können aber schreiben:

    • „Dieser Text ist in einer einfachen Sprache geschrieben“
    • „Dieser Text ist inspiriert von Leichter Sprache“
    • „Wir haben versucht, diesen Text so einfach wie möglich zu schreiben“

    Was sind die Regeln von Inclusion Europe?

    Inclusion Europe hat detaillierte Regeln entwickelt, die für alle europäischen Sprachen angepasst werden können. Die Hauptregeln sind:

    Inhalt:

    • Wichtige Informationen kommen zuerst
    • Eine Idee pro Absatz
    • Logischer Aufbau

    Sprache:

    • Einfache Wörter
    • Kurze Sätze (maximal 15 Wörter)
    • Aktiv-Stimme
    • Positive Formulierungen

    Design:

    • Große und klare Schriftart (14pt/16px oder größer)
    • Genügend Zeilenabstand
    • Genügend Kontrast zwischen Text und Hintergrund
    • Keine Blocksatz-Ausrichtung

    Bilder:

    • Illustrationen, die helfen, den Text zu verstehen
    • Klare Piktogramme
    • Fotos wenn nötig

    Beispiele für validierte Texte mit Logo

    In Luxemburg finden Sie das Easy-to-Read Logo auf:

    • Guichet.lu – Verwaltungsprozeduren
    • Infocrise.lu – Notfallinformationen
    • Klaro.lu – Ressourcen und Guides
    • Mediation Scolaire – Schulinformationen
    • ZPB – Wahlinformationen

    International – Auch in anderen Ländern

    Das Easy-to-Read Logo von Inclusion Europe wird in ganz Europa benutzt:

    • Deutschland: „Leichte Sprache“ Logo
    • Frankreich: „FALC“ Logo
    • Belgien: FALC.be mit Logo
    • Österreich: „Leicht Lesen“ Logo
    • … und noch viele andere Länder und Sprachen!

    Alternativen zum Easy-to-Read Logo

    Es gibt auch andere Qualitätssiegel:

    • Netzwerk Leichte Sprache (Deutschland)
    • capito (Österreich, Deutschland, Schweiz)
    • FALC.be (Belgien)

    Aber das Easy-to-Read Logo von Inclusion Europe ist der internationale Standard.


    Quellen:

    • Inclusion Europe: Easy-to-Read Standards and Guidelines
    • klaro.lu: Le FALC, c’est quoi?
    • Projekt-Dokumentation: FALC – Informationen
    • Infocrise.lu und Guichet.lu: Impressum zu validierten Texten
    • COMED (2020): „Le langage facile, ce n’est pas si simple“
  • Klaro im Detail – Wie das Kompetenzzentrum funktioniert

    Klaro im Detail – Wie das Kompetenzzentrum funktioniert

    Das Herz der Leichten Sprache in Luxemburg

    Klaro ist das offizielle Kompetenzzentrum für Leichte Sprache in Luxemburg und gehört zur APEMH Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung und deren Familien.

    Wann ist Klaro entstanden?

    Im Jahr 2011 hat Luxemburg die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen unterzeichnet. Ein Jahr später, 2012, wurde Klaro gegründet. Seitdem setzt sich das Zentrum dafür ein, dass Leichte Sprache im ganzen Land genutzt werden kann.

    Wie funktioniert Klaro?

    Heute arbeiten drei Personen bei Klaro. Ihre Hauptaufgaben sind:

    1. Informieren und Sensibilisieren
    Klaro ist für jeden da – für Personen und Organisationen, die sich über Leichte Sprache und barrierefreie Kommunikation informieren möchten.

    2. Schulungen anbieten
    Mitarbeiter von Klaro geben auch Kurse. Die Schulungen zeigen, wie man Texte klarer schreiben und Dokumente zugänglicher gestalten kann. Viele Workshops und Coachings finden im Schloss in Bettemburg statt, aber auch am INAP, um die öffentliche Verwaltung zu unterstützen.

    3. Übersetzungen und Validierung
    Wenn ein Text in Leichter Sprache geschrieben wird, sendet man diesen an Klaro. Klaro schickt den Text an ihre Mitarbeiter mit intellektueller Beeinträchtigung, um den Text zu prüfen. Die Prüfgruppe aus den APEMH-Werkstätten arbeitet mit Klaro zusammen, um zu überprüfen, ob ein Text wirklich einfach zu verstehen ist.

    Zusammenarbeit mit anderen Partnern

    Klaro arbeitet eng mit dem Zentrum für die Luxemburgische Sprache (ZLS) zusammen an der Entwicklung von Regeln für eine Leichte Sprache auf Luxemburgisch. Diese Regeln sollen bis Ende 2025 fertig sein.

    Klaro ist auch Partner von Guichet.lu, Infocrise.lu und vom Familien- und Integrationsministerium. Klaro hilft auch bei anderen europäischen Initiativen wie Accessilingua, einem Tool mit Künstlicher Intelligenz für automatische Übersetzungen in Leichte Sprache.

    Warum ist Klaro wichtig?

    Ohne Klaro wäre es schwierig für Luxemburg, große Mengen an Texten in Leichter Sprache zu produzieren. Der Prozess ist komplex und zeitaufwendig. Aber dank Klaro können Ministerien, Gemeinden, Schulen und auch private Organisationen ihre Informationen zugänglich machen – und damit mehr Menschen erreichen und zur Teilhabe befähigen.


  • Wo finden wir Leichte Sprache im Alltag in Luxemburg?

    Wo finden wir Leichte Sprache im Alltag in Luxemburg?

    Vielleicht fragen Sie sich: „Wo finden wir eigentlich Leichte Sprache in Luxemburg?“ Die Antwort: An immer mehr Orten! Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Beispiele.

    Guichet.lu – Das Portal für Verwaltungsdienste

    Seit Dezember 2019 hat das Redaktionsteam von Guichet.lu eine Serie von Merkblättern in Leichter Sprache auf Deutsch veröffentlicht. Im Juni 2022 ist das erste Merkblatt auch in FALC (Facile à lire et à comprendre) verfügbar geworden.

    Was finden wir auf Guichet.lu in Leichter Sprache?

    Das erste Merkblatt in Leichter Sprache war der Pacte civil de solidarité (PACS). Die Rubrik „Easy-to-read“ auf Guichet.lu bietet jetzt eine große Auswahl an Verfahren, die sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch in Leichter Sprache geschrieben sind.

    Welche Themen werden behandelt?

    Merkblätter auf Guichet.lu betreffen alle Bereiche des Alltags der Bürger. Beispiele:

    • PACS (Zivilpakt)
    • Umzug melden
    • Wahlverfahren
    • Soziale Hilfe
    • Familien-Dokumente

    Für die Gemeindewahlen 2023 hat Guichet.lu neue Informationsseiten in Leichter Sprache veröffentlicht, die das Verfahren für die Gemeindewahlen in Luxemburg erklären.

    Kürzlich, im April 2026, wurde ein Artikel über den „Bilan 30“ in Leichter Sprache veröffentlicht.

    Welche Sprachen?

    Auf Guichet.lu finden Sie Texte hauptsächlich in:

    • Leichte Sprache (Deutsch) – die meisten Texte
    • FALC (Französisch) – seit 2022
    • Die Liste wird regelmäßig erweitert

    Ein großer Erfolg

    Im Januar 2020 berichtete RTL, dass in diesem Jahr über 3000 Aufrufe von den Internetseiten mit Artikeln in Leichter Sprache gezählt wurden. Das Feedback der Nutzer war positiv. Das Pilotprojekt des CTIE hat gezeigt, dass es eine große Nachfrage für Texte in Leichter Sprache gibt.

    Infocrise.lu – Wichtige Informationen im Notfall

    Auf Infocrise.lu finden Sie wichtige Dokumente in Leichter Sprache über verschiedene Notfallsituationen:

    Verfügbare Dokumente:

    Warum ist das so wichtig?

    Im Notfall muss jeder wissen, was zu tun ist. Die Broschüre „Was machen wir bei Atomalarm?“ zum Beispiel gibt es in vielen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Luxemburgisch und Portugiesisch). Die Information muss schnell und klar sein – für jeden.

    Mehr als nur Texte

    Infocrise.lu bietet:

    • PDF-Dokumente zum Herunterladen
    • Klare Anweisungen mit Bildern
    • Informationen über Apps wie GouvAlert
    • Erklärungen der Sirenen-Signale

    Die Mitarbeiter des Innenministeriums haben die Texte in Leichter Sprache zusammen mit Klaro und der Prüfgruppe der APEMH-Ateliers erstellt. Die Piktogramme kommen auch von Klaro.

    Zentrum für politische Bildung (ZPB) – Informationen über Wahlen

    2017 hat das ZPB schon zusammen mit Klaro ein Heft und ein Plakat zu den Gemeindewahlen in Leichter Sprache herausgegeben.

    Zugängliche Wahlen seit 2023: Für die Parlamentswahlen 2023 hat die Regierung zusammen mit Klaro, dem ZPB, Info-Handicap und anderen Partnern ein ganzes Paket an Maßnahmen eingeführt, um Wahlen zugänglich zu machen:

    • Wahlinformationen in Leichter Sprache (Deutsch, Französisch, Englisch)
    • Taktile Wahlmodelle für Menschen mit Sehbehinderung
    • Transportmittel (Adapto) für den Transport zum Wahlbüro
    • Wahlrecht für alle Erwachsenen, auch die unter Vormundschaft
    • Verbessertes Layout des Wahlzettels mit Logos der Parteien
    • Informationsabende mit Politikern für Menschen mit Leseschwierigkeiten

    Mediation Scolaire – Schulsituationen verstehen

    Die Mediation Scolaire bietet Informationen und Ressourcen an, die helfen, Schulsituationen besser zu verstehen. Auf ihrer Webseite finden Sie Texte in Leichter Sprache (auf Deutsch), die sowohl die Rolle der Mediation als auch die Rechte von Schülern erklären.

    Was ist besonders?

    Auf MediationScolaire.lu werden Texte in der deutschen Leichten Sprache präsentiert, aber es gibt auch eine Version auf Luxemburgisch in einfacher Sprache – weil es noch keine offiziellen luxemburgischen Regeln für Leichte Sprache gibt.

    Dokument-Vorlagen: Alltags-Dokumente einfach verstehen

    Klaro hat auch ein paar Dokument-Vorlagen entwickelt, die für jeden frei zur Verfügung stehen:

    1. Mietvertrag (Bail) in Leichter Sprache Ein Mietvertrag hat oft komplizierte juristische Sätze. Das Mietvertrag-Modell in Leichter Sprache hilft Menschen, die eine Wohnung mieten, ihre Rechte und Pflichten besser zu verstehen.

    2. Gehaltszettel (Paiziedel/fiche de Paie) in Leichter Sprache Der Gehaltszettel ist voll mit Abkürzungen und komplizierten Begriffen. Ein Modell in Leichter Sprache hilft Arbeitnehmern zu verstehen, was sie verdienen und was abgezogen wird.

    An welchen anderen Orten?

    Kulturelle Einrichtungen: Museen und Bibliotheken fangen an, Texte in Leichter Sprache anzubieten. Dies macht Kultur für jeden zugänglicher.

    Gesundheitsinformationen: Verschiedene Gesundheitsinformationen, besonders zu COVID-19, wurden während der Pandemie in Leichter Sprache verfügbar gemacht.

    Gemeinde-Informationen: Immer mehr Gemeinden fangen an, wichtige Informationen in Leichter Sprache zu veröffentlichen.


  • Wie schreiben wir in Leichter Sprache? Eine praktische Anleitung

    Wie schreiben wir in Leichter Sprache? Eine praktische Anleitung

    Mehr als nur einfache Wörter

    Viele Leute denken, Leichte Sprache wäre ganz einfach: Einfach kurze Sätze schreiben und einfache Wörter benutzen. Aber es geht nicht nur um die Auswahl der Wörter und Sätze. Ein Text in Leichter Sprache muss optimiert werden, das heißt: Überflüssige Elemente weglassen, fehlenden Kontext hinzufügen.

    Wir erklären Ihnen wie es funktioniert!

    Die Grundregeln

    Leichte Sprache basiert auf einem Set von Regeln der europäischen Organisation Inclusion Europe. Diese Regeln wurden für jede Sprache angepasst. In Luxemburg gelten die deutschen Regeln für Leichte Sprache und die französischen Regeln für FALC – Facile à lire et à comprendre.

    Die wichtigsten Regeln im Überblick

    1. Wörter und Vokabular

    • Einfache Wörter benutzen
    • Komplizierte Wörter erklären
    • Eine Form des Wortes benutzen (z.B. „Wähler“ statt „Wählerinnen und Wähler“)
    • Keine Abkürzungen

    2. Sätze und Grammatik

    • Kurze Sätze (maximal 1 Idee pro Satz)
    • Direkte Formulierungen: Subjekt – Verb – Verbkomplement
    • Aktiv verwenden (nicht Passiv)
    • Positive Formulierungen (statt Verneinungen)

    3. Struktur des Textes

    • Wichtige Informationen kommen am Anfang
    • Ein Absatz = eine Idee
    • Unterüberschriften für klare Struktur
    • Beispiele aus dem Alltag benutzen

    4. Visuelle Gestaltung

    • Text nicht im Blocksatz
    • Auf den Kontrast achten
    • Eine passende Schrift benutzen (keine Serifen, groß genug)
    • Großzügiger Zeilenabstand
    • Kein Zeilenumbruch (Worttrennung)
    • Keine kursive Schrift (Italique)

    5. Bilder und Piktogramme

    Neben dem Text ist es sehr wichtig, das Dokument gut zu strukturieren und passende Illustrationen und Piktogramme zu benutzen.

    Ein konkretes Beispiel

    Nehmen wir die deutsche Leichte Sprache

    Original:

    „Die COPAS vertritt die Pflegedienstleister in Luxemburg, die im Bereich der Betreuung und Pflege von älteren und kranken Menschen tätig sind oder in der Betreuung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und einer Behinderung.

    Die COPAS zählt 58 Mitglieder, die nahezu alle Wohneinrichtungen für ältere Menschen, Tagesstätten für ältere Menschen, Betreuungsstätten für Menschen mit einer Behinderung, ambulante Pflegedienste und Strukturen für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen im Großherzogtum umfassen.

    Diese Einrichtungen beschäftigen mehr als 13.000 Mitarbeiter in der Betreuung pflegebedürftiger Menschen.“

    In Leichter Sprache:

    „Die COPAS ist ein Dach-Verband.
    Ein Dach-Verband ist wie ein Verein oder eine Gruppe.
    Hier ist es eine Gruppe von Firmen.

    Diese Firmen bieten Hilfs- und Pflege-Dienste in Luxemburg an.
    Wir schreiben hier für all diese Dienste: Hilfs-Dienste.
    Die Dienste unterstützen Menschen, die Hilfe brauchen.
    Zum Beispiel: alte Menschen, kranke Menschen, Menschen mit einer Behinderung.

    Die COPAS ist der Dach-Verband für diese Hilfs- und Pflege-Dienste.
    Wir sagen für diese Dienste auch: Firma (Firmen), Betrieb.

    Zu der COPAS gehören 58 Firmen:
    Die Firmen sind Mitglied oder „Member“ in der COPAS.
    In den Firmen arbeiten mehr als 13 000 Menschen (13 Tausend).

    Zu den Mitgliedern der COPAS gehören:

    Wohnstrukturen für ältere Menschen
    Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung
    Einrichtungen für Menschen mit einer psychischen Erkrankung
    ambulante Hilfs- und Pflege-Dienste: 
diese Dienste fahren zu den Menschen nach Hause.
    Sie helfen zum Beispiel beim Waschen oder Anziehen.“

    Wie viel Zeit braucht man?

    Man braucht ungefähr 2 Stunden, um einen einzigen Text von 500 Wörtern in Leichte Sprache zu übersetzen. Das ist viel mehr Arbeit als eine normale Übersetzung, weil man den Text komplett neu strukturieren muss.

    Validierung: Der wichtigste Schritt

    Nachdem Sie Ihren Text geschrieben haben, schicken Sie ihn an Klaro. Dort wird der Text an den Workshop „Isie“ geschickt. Diese Prüfer sind Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, die für diese Arbeit bezahlt werden.

    Es kann ein Austausch zwischen den Autoren und den Prüfern stattfinden. Die Prüfer schlagen regelmäßig Verbesserungen vor. Wenn der Text validiert ist und die Regeln respektiert, bekommt er das Logo „Easy to Read“ von Inclusion Europe.

    Eine wichtige Nuance

    Die Prüfer vom Atelier Isie lesen hauptsächlich Texte auf Deutsch in Leichter Sprache, weil Deutsch einfacher für Luxemburger ist. Aber wegen der multilingualen Situation im Land empfiehlt Klaro zwei Versionen von jedem Text: einmal in „Leichte Sprache“ und einmal in FALC. Die Wahl hängt aber von der Zielgruppe ab.

    Warum so viel Arbeit?

    Ein Sprachniveau B2-C1 (normale administrative Texte) ist viel zu schwierig für viele Leute. Leichte Sprache entspricht einem Niveau A1. Dies erlaubt es Personen mit intellektueller Beeinträchtigung, die Information zu verstehen – aber auch Leuten, die nicht gut Deutsch oder Französisch können.

    Tipp: Wenn Sie mit Leichter Sprache anfangen wollen, können Sie eine Fortbildung bei Klaro machen. Sie bieten regelmäßig Kurse bei den Organisationen INAP, UFEP und IFEN an.


  • CDI – Leichte Sprache im Bildungsbereich in Luxemburg

    CDI – Leichte Sprache im Bildungsbereich in Luxemburg

    Wenn Bildung Leichte Sprache braucht

    Neben Klaro gibt es noch einen anderen wichtigen Akteur im Bereich Leichte Sprache in Luxemburg: Den Service Leichte Sprache vom Centre pour le développement intellectuel (CDI). Aber was ist das CDI und was macht ihr Service?

    Was ist das CDI?

    Das CDI ist ein Kompetenzzentrum in Luxemburg für Schüler mit intellektueller Beeinträchtigung.

    Das CDI bietet Betreuung für Kinder und Jugendliche mit intellektueller Beeinträchtigung an. Dies beinhaltet:

    • Ein Defizit in den kognitiven Funktionen (Sprache, Lesen, Rechnen, Verständnis von Regeln, Autonomie)
    • Einen Mangel an adaptiven Funktionen im Alltag (Kommunikation, soziale Teilhabe, Selbstständigkeit)

    Der Service Leichte Sprache – Was macht er?

    Der Service Leichte Sprache, der zum CDI gehört, hat zwei Hauptziele: Leichte Sprache zu fördern und Texte in Leichte Sprache zu übersetzen.

    Die Missionen des CDI:

    Eine der Missionen des CDI ist es, Informationen für jeden zugänglich zu machen. Dafür verwendet das CDI Leichte Sprache.

    Diese macht das Lesen für jeden einfacher, besonders für Personen mit intellektueller Entwicklungsstörung, Menschen mit Sehproblemen, Legastheniern, ältere Menschen und viele andere.

    Für wen ist der CDI-Service da?

    Der Service national de l’éducation inclusive (SNEI), sowie alle Kompetenzzentren können ihre Anfragen für Übersetzungen einreichen.

    Was ist der SNEI?

    Der Service national de l’éducation inclusive hat als Mission die Förderung der inklusiven Bildung und die Entwicklung der Qualität der Betreuung von Schülern mit spezifischen Bildungsbedürfnissen zu garantieren.

    Wie viele Kompetenzzentren gibt es?

    In Luxemburg gibt es acht Kompetenzzentren und eine Agentur, die spezialisiert sind, um auf die spezifischen Bedürfnisse zu reagieren, die Schüler haben können:

    1. Centre pour le développement des compétences langagières, auditives et communicatives (Centre de logopédie, CL)
    2. Centre pour le développement des compétences relatives à la vue (CDV)
    3. Centre pour le développement socio-émotionnel (CDSE)
    4. Centre pour le développement des apprentissages Grande-Duchesse Maria Teresa (CDA)
    5. Centre pour le développement moteur (CDM)
    6. Centre pour le développement intellectuel (CDI)
    7. Centre pour enfants et jeunes présentant un trouble du spectre de l’autisme (CTSA)
    8. Centre pour enfants et jeunes à haut potentiel (CEJHP)
    9. Agence pour la transition vers une vie autonome (ATVA)

    All diese Zentren können den Service Leichte Sprache vom CDI nutzen!

    Wie funktioniert die Anfrage?

    Anfragen für Übersetzungen können via Formular auf der Internetseite eingereicht werden. Der Service Leichte Sprache kontaktiert den Antragsteller, um die nächsten Schritte zu klären.

    Die Etappen der Arbeit beim CDI:

    Die Webseite des CDI zeigt ein Diagramm mit den verschiedenen Schritten:

    1. Anfrage – Text einreichen
    2. Übersetzung – Team übersetzt den Text
    3. Relecture – Prüfer aus dem CDI prüfen den Text
    4. Validierung – Text wird freigegeben
    5. Lieferung – Fertigen Text zurückschicken

    Wer ist das Team?

    Das Team besteht aktuell aus einem Berater in der Leichten Sprache, einem Koordinator, Übersetzern, die in Leichter Sprache ausgebildet sind, und aus Prüfern, darunter Schüler vom CDI.

    Prüfer aus dem CDI:

    Genau wie beim Atelier Isie von Klaro, kommen auch beim CDI die Prüfer aus der Zielgruppe: Schüler vom CDI mit intellektueller Beeinträchtigung, die ihr Feedback geben, ob ein Text wirklich einfach zu verstehen ist.

    Unterschied zwischen CDI und Klaro

    AspektKlaro (APEMH)CDI Service
    ZielgruppeAlle Verwaltungen, Firmen, OrganisationenHauptsächlich SNEI und Kompetenzzentren
    BereichAllgemeine Leichte SpracheBildungsbereich
    SprachenFALC + Leichte Sprache + Liicht SproochFALC + Leichte Sprache
    PrüferAtelier IsieCDI-Schüler
    Zukünftige PläneLuxemburger Regeln entwickelnErweiterung auf Verwaltungen des Bildungsministeriums

    Warum zwei Services?

    Es macht Sinn, zwei Services zu haben:

    Spezialisierung Der CDI-Service kennt den Bildungskontext gut und ist spezialisiert auf Materialien für Schüler.

    Kapazität Mit zwei Services können mehr Texte in kürzerer Zeit produziert werden.

    Netzwerk Der CDI-Service ist direkt mit den Kompetenzzentren und dem SNEI verbunden – das vereinfacht die Kommunikation.

    Prüfer-Pool Mehr Prüfer = mehr Diversität im Feedback.

    Wichtigkeit für die Bildung

    Was beim CDI wichtig ist, ist die Inklusion und eine maximale Teilhabe an der Gesellschaft. Das heißt: Alle Personen haben dieselben Rechte. Alle Personen sind überall inkludiert. Alle Personen entscheiden ihr eigenes Leben selbst.

    Leichte Sprache in der Bildung bedeutet:

    • Schüler mit spezifischen Bedürfnissen können ihre Schulmaterialien besser verstehen
    • Eltern können besser mit Lehrern kommunizieren
    • Dokumente sind für jeden zugänglich

    Die Zukunft des Service

    Der Service Leichte Sprache vom CDI ist noch relativ jung, aber die Pläne sind ambitioniert.

    In naher Zukunft wird das Angebot des Service Leichte Sprache auf andere Verwaltungen des Bildungsministeriums erweitert.

    Das heißt: Mehr Schulen, mehr Services, mehr Bildungsinstitutionen können in Zukunft Leichte Sprache-Texte beim CDI anfragen.

    Kontakt:

    Centre pour le développement intellectuel Service Leichte Sprache 5, rue Thomas Edison L-1445 Strassen

    Tel.: +352 247-55700 E-mail: leichte.sprache@cc-cdi.lu


    Quellen: