Barrierefreiheit in Luxembourg

Schlagwort: Leichte Sprache

  • Barrierefreie Wahlen in Luxemburg – Leichte Sprache, Wahlrecht und Maßnahmen für Inklusion

    Barrierefreie Wahlen in Luxemburg – Leichte Sprache, Wahlrecht und Maßnahmen für Inklusion

    Weil jeder wählen können muss

    Wählen ist ein Grundrecht. Aber was ist, wenn Wahlunterlagen zu kompliziert sind? Wenn das Wahllokal nicht barrierefrei ist? Wenn man die Prozedur nicht versteht? In Luxemburg wird viel getan, damit jeder seine demokratischen Rechte ausüben kann.

    Warum ist Barrierefreiheit bei Wahlen so wichtig?

    Laut Artikel 29 der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) muss der Staat dafür sorgen, dass der Zugang zu den Wahlen erleichtert wird – unter anderem durch barrierefreie Verfahren.

    Wenn Menschen mit einer Behinderung wählen, können sie ihre politischen Rechte effektiv ausüben und auf diese Weise auch indirekt Entscheidungen beeinflussen, von denen auch sie betroffen sind.

    Was macht Luxemburg für barrierefreie Wahlen?

    Die luxemburgische Regierung hat zusammen mit verschiedenen Partnern eine ganze Reihe von Maßnahmen eingeführt, um Wahlen barrierefrei zu gestalten:

    Informationen in Leichter Sprache

    Check Politik – Wahlhefte in Leichter Sprache

    Das Zentrum für politische Bildung (ZPB) und Klaro arbeiten bereits seit 2017 zusammen, um Wahlinformationen in Leichter Sprache zu veröffentlichen.

    „Check Politik“ ist eine Heftreihe mit Inhalten in leichter Sprache. Das Ziel ist es, Informationen zu politischen und sozialen Themen einem breiten Publikum zugänglich zu machen und so möglichst viele Menschen zur Ausübung ihres Wahlrechts zu ermutigen.

    Für die Parlamentswahlen 2023 wurde die Ausgabe „Le Luxembourg élit son parlement“ aktualisiert. Dieses Heft bietet in leichter Sprache Basisinformationen zu den Parlamentswahlen.

    Das Heft ist auf Deutsch, Französisch und Englisch verfügbar und kann auf www.zpb.lu oder www.elections.public.lu heruntergeladen werden.

    Leicht verständliche Wahlanweisungen

    Im Hinblick auf die Parlamentswahlen hat das ZPB leicht verständliche Wahlanweisungen auf Deutsch und auf Französisch erstellt. Diese Publikation beschreibt die verschiedenen Möglichkeiten, den Stimmzettel richtig (gültig) auszufüllen.

    Die Gemeinden können diese an ihre Bürger verteilen oder im Gemeindeblatt und auf ihrer Webseite veröffentlichen.

    Einberufung in Leichter Sprache

    Die Einberufung und die Anweisungen für die Wähler werden vom Kompetenzzentrum für Leichte Sprache „Klaro“ in Leichter Sprache verfasst.

    Physische Barrierefreiheit

    Broschüre „Accessibilité des bureaux de vote“

    Einer der wichtigsten Grundsätze der UN-Konvention ist die volle und wirksame Beteiligung und Einbeziehung in die Gesellschaft. Daher ist es notwendig, den Zugang von Personen mit eingeschränkter Mobilität zu den Wahllokalen zu garantieren.

    Die Broschüre „Accessibilité des bureaux de vote“ (auf Französisch), die von Info-Handicap in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Leichte Sprache „Klaro“ veröffentlicht wird, richtet sich an die Gemeinden und schlägt die notwendigen Maßnahmen vor.

    Transport zum Wahllokal

    Die Nutzer des Transportservices Adapto, die eine Adapto-Karte besitzen, haben die Möglichkeit, diesen Service für den Transport zum Wahllokal zu nutzen.

    Der Transport zum Wahllokal und zurück wird nicht vom jährlichen Kontingent der Fahrten abgezogen!

    Um eine solche Fahrt buchen zu können, können die Nutzer den Service mobiliteit.lu per Telefon unter 2465-2465 kontaktieren oder über die App adapto.lu eine Reservierung vornehmen.

    Wahlrecht für alle

    Einführung des Wahlrechts für Erwachsene unter Vormundschaft

    Durch die Änderungen des Wahlgesetzes, die seit dem 29. Juni 2023 gelten, haben Erwachsene unter Vormundschaft nun ein Wahlrecht und können am Wahlsonntag teilnehmen.

    Um jedoch zu vermeiden, dass dieses neue Recht für die betroffene Person zum Nachteil wird (zum Beispiel wenn sie nicht in der Lage ist, ihren politischen Willen auszudrücken), sind Erwachsene unter Vormundschaft von Amts wegen entschuldigt und werden strafrechtlich nicht verfolgt, wenn sie ihr Wahlrecht nicht ausüben.

    Begleitung in der Wahlkabine

    Artikel 79 des Wahlgesetzes wurde ebenfalls geändert. Damit haben wahlberechtigte Erwachsene, die unter Vormundschaft stehen oder eine dauerhafte visuelle, physische, mentale, intellektuelle oder sensorische Beeinträchtigung haben, nun die Möglichkeit, sich am Wahlsonntag in der Wahlkabine von einem Begleiter begleiten zu lassen.

    Taktiles Wahlmodell

    In Zusammenarbeit mit dem Centre pour le développement des compétences relatives à la vue (CDV) stellt die Regierung den Wählern mit einer Sehbehinderung ein taktiles Wahlmodell zur Verfügung.

    Diese taktile Wahlunterlage steht am Wahlsonntag in allen Wahllokalen zur Verfügung und kann im Fall der Briefwahl auch vom Wähler direkt beim CDV bestellt werden.

    Verbessertes Layout des Stimmzettels

    Logos der politischen Parteien

    Zum ersten Mal werden auf dem Stimmzettel die Logos der politischen Parteien mit abgebildet. Dies hilft Personen mit sensorischen oder kognitiven Beeinträchtigungen, die Zettel einfacher zu lesen und auszufüllen.

    Angepasstes Design

    Darüber hinaus wurde das Layout des Stimmzettels angepasst:

    • Angepasste Schriftart
    • Zusätzliche Kontraste
    • Größere Schrift

    So ist der Stimmzettel auch für Wähler mit einer Sehbeeinträchtigung barrierefreier.

    Themenabende mit Politikern und Wählern

    Um zu garantieren, dass alle Personen ihr Wahlrecht korrekt ausüben können, werden Informationsrunden organisiert, in denen Erklärungen zu den Programmen der politischen Parteien gegeben werden.

    Diese Veranstaltungen richten sich an Personen, die Schwierigkeiten haben, politische Programme zu verstehen. Mitglieder der politischen Parteien werden eingeladen, aktiv an diesen Informationsrunden teilzunehmen.

    Informationen zu diesen Veranstaltungen werden auf www.info-handicap.lu veröffentlicht.

    Offizielle Internetseite für die Wahlen

    Sämtliche Informationen zu den Projekten, die im Rahmen der Wahlen ins Leben gerufen werden, werden in barrierefreier Form auf der offiziellen Internetseite für die Wahlen www.elections.public.lu veröffentlicht.

    Bedeutung für die Demokratie

    Barrierefreie Wahlen sind nicht nur eine Möglichkeit – sie sind ein demokratisches Grundrecht. Wenn Menschen ihr Wahlrecht nicht ausüben können, weil die Informationen zu kompliziert sind oder weil sie physisch nicht ins Wahllokal kommen, dann wird ihnen ihr Grundrecht verweigert.

    Leichte Sprache ist damit nicht nur ein Werkzeug für Inklusion – sie ist ein Werkzeug für Demokratie!

    Aber es bleibt noch Arbeit. Jeder muss wählen können – ohne Barrieren.

    Weitere Informationen:


    Quellen:

    • gouvernement.lu – News (2023): Barrierefreie Wahlen für alle
    • elections.public. – Barrierefreiheit
    • Staatsministère a Ministère fir Famill (2023)
    • ZPB: Check Politik – Walinformatiounen
    • Klaro: Aberuffung a Liichter Sprooch
    • Info-Handicap: Broschür Accessibilité des bureaux de vote
  • Cap’FALC und Accessilingua – Zwei Wege zum selben Ziel

    Cap’FALC und Accessilingua – Zwei Wege zum selben Ziel

    Wie Frankreich und Luxemburg an der Zukunft der Leichten Sprache arbeiten

    In Frankreich wird Cap’FALC entwickelt, in Luxemburg Accessilingua. Beide Projekte nutzen Künstliche Intelligenz (KI), um Texte in Leichte Sprache zu übersetzen. Aber die Ansätze, Zielgruppen und Philosophien sind unterschiedlich. Es gibt eben verschiedene Wege, um dasselbe Ziel zu erreichen.

    Was haben sie gemeinsam?

    Bevor wir auf die Unterschiede eingehen, schauen wir uns zunächst an, was beide Projekte gemeinsam haben:

    1. Die Technologie Beide nutzen Künstliche Intelligenz, um Texte zu vereinfachen. Die KI analysiert komplizierte Texte und schlägt einfachere Versionen vor, die den Regeln der Leichten Sprache entsprechen.

    2. Das Ziel Beide Projekte haben dasselbe Hauptziel: Mehr Texte in Leichter Sprache produzieren – und schneller. Ohne diese Technologie dauert es 2 Stunden, um einen einzigen Text von 500 Wörtern in Leichte Sprache zu übersetzen.

    3. Die Grenzen der KI Beide Projekte unterstreichen: Die KI ist ein Hilfsmittel, kein Ersatz für menschliche Experten. Eine menschliche Überprüfung und Validierung bleibt essenziell.

    4. Die Regeln Beide basieren auf den Regeln von Inclusion Europe, für FALC (Frankreich) oder Leichte Sprache (Deutschland/Luxemburg).

    5. Die Hauptidee Beide Projekte teilen die Überzeugung, dass Information für jeden zugänglich sein muss. Künstliche Intelligenz kann helfen, dieses Ziel schneller zu erreichen.

    Wo sind die Unterschiede?

    Trotz dieser Gemeinsamkeiten unterscheiden sich die beiden Projekte stark:

    Ursprung und Kontext

    AspektCap FALCAccessilingua
    LandFrankreichLuxemburg
    InitiatorUNAPEI (Verband für Menschen mit Behinderung)GovTech Lab (Ministerium für Digitalisierung)
    Startdatum20182024
    PartnerMeta AI, INRIATeam SoftGiant, CTIE, Klaro

    Cap’FALC ist aus der FALC-Bewegung selbst entstanden. Die UNAPEI, der nationale Verband für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, hat gesehen, dass das Land mehr Übersetzungskapazität braucht. Also haben sie das Tool entwickelt.

    Accessilingua ist ein Top-down-Ansatz: Die Regierung hat gesehen, dass auf guichet.lu nicht genug Texte in Leichter Sprache existieren, weil die Produktion zu lange dauert. Also hat das GovTech Lab einen Appel à Solutions gemacht.

    Zielpublikum

    Cap’FALC:

    • FALC-Ateliers in Frankreich
    • Transkripteure aus ESAT (Werkstätten und Betriebe für Menschen mit Behinderung)
    • Zugang vorrangig für Menschen, die in FALC ausgebildet sind

    Accessilingua:

    • Öffentliche Verwaltung in Luxemburg
    • Redakteure von guichet.lu, infocrise.lu usw.
    • Am Anfang: Nur für Regierungsorgane
    • Hoffnung: Später eventuell für die breite Öffentlichkeit

    Der wichtigste Unterschied: Cap FALC ist ein Tool VON Menschen mit Behinderung FÜR Menschen mit Behinderung. Accessilingua ist ein Tool für die Verwaltung – mit Hilfe von Klaro entwickelt – um Dokumente zu erstellen, die von Menschen mit Behinderung gelesen werden.

    Funktionalitäten

    Cap FALC bietet:

    • KI-Vereinfacher: Schlägt einfachere Sätze vor
    • Kollaboratives Wörterbuch: Von Nutzern erstellte Definitionen
    • Kollaborative Bilddatenbank: Geteilte Illustrationen
    • Community-Feature: Alle Nutzer können zur Übersetzungsfunktion beitragen

    Accessilingua bietet:

    • KI-Übersetzung: Generiert Texte in FALC/Leichte Sprache
    • Luxemburger Anpassung: Berücksichtigt lokale Wörter (z.B. „Formation“ statt „Weiterbildung“, „Chamberwal“ statt „Parlamentswahl“)
    • Zwei Sprachen: Französisch (FALC) und Deutsch (Leichte Sprache)
    • Integration: Direkt mit Guichet.lu und anderen Regierungsseiten

    Der wichtigste Unterschied: Cap’FALC ist eine komplette Arbeitsumgebung mit Community-Features. Accessilingua ist stärker auf die Übersetzungsfunktion fokussiert.

    Fazit

    Cap FALC und Accessilingua sind keine Konkurrenten. Sie sind Beispiele für verschiedene Ansätze, jeweils optimiert für das Land und das Zielpublikum. Beide Projekte zeigen:

    ✅ Künstliche Intelligenz kann Leichte Sprache demokratisieren
    ✅ Menschliche Validierung bleibt essenziell
    ✅ Es braucht technische und kreative Lösungen, um mehr Informationen für jeden zugänglich zu machen


  • Projekt Starter Pack – APEMH gewinnt den Prix de l’inclusion numérique

    Projekt Starter Pack – APEMH gewinnt den Prix de l’inclusion numérique

    Wenn digitale Inklusion auf Leichte Sprache trifft

    Am 17. Mai 2025 erhielt die APEMH den „Prix de l’inclusion numérique“ für ihr innovatives Projekt „Starter Pack“. Dies ist nicht nur ein Preis – es ist ein wichtiger Schritt für mehr digitale Inklusion in Luxemburg.

    Was ist das Projekt Starter Pack?

    Der Starter Pack ist eine kompakte Basisschulung für Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung. Das Ziel ist einfach: Den Leuten die Kompetenzen geben, die sie brauchen, um in der digitalen Welt anzufangen.

    Warum ist das so wichtig?

    In den letzten Jahren hat die APEMH festgestellt, dass viele Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung noch immer viele Barrieren in der digitalen Welt erleben. Solche Probleme verhindern, dass Leute voll und ganz am digitalen Leben teilhaben können:

    • Du hast ein Smartphone, aber du hast Schwierigkeiten QR-Codes zu scannen
    • Du willst ein App-Konto erstellen, aber findest das zu kompliziert
    • Du hast einen Computer, aber weißt nicht wie man das Internet im Alltag benutzen kann

    Wie funktioniert der Starter Pack?

    Die Schulungsmodule

    Der Starter Pack besteht aus verschiedenen Schulungsmodulen. Jedes Modul ist speziell an Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung angepasst. Die Inhalte sind in Leichter Sprache und auf Luxemburgisch geschrieben – eine Kombination, die spezifisch für Luxemburg ist!

    Flexibles Lernen

    Ganz nach dem Motto „Design for All“ und „Leichte Kommunikation“ ist der Starter Pack für jedermann zugänglich:

    • Du kannst in deinem eigenen Rhythmus alleine lernen
    • Oder zusammen mit anderen in einer Gruppe
    • Mit einem gedruckten Handbuch
    • Am Computer
    • Mit Videos

    Die drei Phasen des Projekts

    Phase 1: Definieren In der ersten Phase werden die Schulungsmodule definiert. Dies geschieht basierend auf der Analyse von anderen digitalen Projekten, die die APEMH schon realisiert hat. Ganz wichtig: Dies geschieht in einem inklusiven Team – das heißt, Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung arbeiten aktiv mit.

    Phase 2: Testen und Adaptieren Der Starter Pack wird mit der Zielgruppe getestet. Nachdem die Leute den Starter Pack benutzt haben, geben sie Feedback und schlagen Verbesserungen vor. Die Module werden dann adaptiert für eine bessere Verständlichkeit.

    Phase 3: Veröffentlichen Zu guter Letzt werden die Schulungsmodule und Handbücher auf der Website lern-plattform.lu veröffentlicht. So kann jeder darauf zugreifen!

    Unterstützung vom Staat

    Das Projekt wird vom Ministerium für Digitalisierung unterstützt. Dies zeigt wie wichtig dem Staat digitale Inklusion ist. Es geht nicht nur darum, dass alle Leute Zugang zum Internet haben, sondern auch dass sie wissen wie sie das Internet benutzen können.

    Mehr als nur Schulung

    Der Starter Pack ist ein wichtiges Beispiel wie Leichte Sprache und Digitalisierung zusammenarbeiten können. Indem die APEMH die Inhalte in Leichter Sprache und auf Luxemburgisch veröffentlicht, macht sie digitale Inklusion zugänglicher als je zuvor.

    Dies ist auch ein wichtiger Schritt in der Entwicklung von Leichter Sprache auf Luxemburgisch – ein Bereich, der noch im Aufbau ist.

    Die Lernplattform der APEMH

    Der Starter Pack ist nicht das einzige Projekt auf der Lernplattform. Auf lern-plattform.lu findet man schon jetzt andere digitale Projekte und Ressourcen:

    • Tutorials für verschiedene Apps und Programme
    • Erklärungsvideos in Leichter Sprache
    • Praktische Guides für den Alltag

    Wann kommt der Starter Pack?

    Die APEMH hat angekündigt, dass der Starter Pack im Laufe des Jahres 2026 verfügbar sein wird. Die Arbeit ist in vollem Gang!

    Die Rolle der APEMH

    Die APEMH setzt sich seit Jahren für die Inklusion und Selbstbestimmung von Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung ein. Ihre Missionen sind:

    Strukturen und Dienstleistungen anbieten, die an die diversen Bedürfnisse von Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung angepasst sind.

    Aktiv zur Verteidigung der Rechte und Interessen von Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung beitragen.

    Die Tätigkeitsbereiche der APEMH gliedern sich rund um folgende Themenbereiche:

    Beratung und Orientierung, Kinder und Familie, Tagesstruktur für Erwachsene, Ausbildung und Arbeit, Wohnen, Begleitung und Unterstützung, Weiterbildungs- und Kompetenzzentren.

    Dank diesen unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen bieten die APEMH-Ateliers eine vielfältige Auswahl an lokalen und handwerklichen Produkten sowie verschiedene Dienstleistungen.

    Mehr Informationen:


    Quellen:

  • Atelier Isie – Experten mit intellektueller Beeinträchtigung validieren Texte

    Atelier Isie – Experten mit intellektueller Beeinträchtigung validieren Texte

    Wenn die Zielgruppe mitarbeitet

    Ab Oktober 2022 wurde ein neues Atelier für Leichte Sprache und inklusive Kommunikation geplant. Das Atelier Isie ist ein mobiles Atelier, das an verschiedenen Standorten der APEMH aktiv ist. Hier arbeiten junge Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung – und sie sind die einzigen, die wirklich entscheiden können, ob ein Text einfach zu verstehen ist.

    Was ist das Atelier Isie?

    Das Atelier Isie bietet eine berufliche Ausbildung für junge Menschen ab 16 Jahren. Diese Ausbildung wird am Standort in Limpach angeboten, aber da es ein mobiles Atelier ist, werden Arbeiten an verschiedenen Standorten durchgeführt: in Bettemburg-sur-Mess, Limpach, Hosingen, Bettembourg und Esch-sur-Alzette.

    Welche Arbeiten machen die Teilnehmer?

    Die Arbeiten im Atelier Isie sind vielfältig:

    • Texte von schwerer in Leichte Sprache schreiben
    • Informationen (Texte, Videos usw.) in Leichter Sprache prüfen
    • Die Zeitung der Ateliers schreiben
    • Schulungen über Leichte Sprache mithalten
    • Erklärvideos machen

    Die Rolle als Prüfer: Der Schlüssel zur Qualität

    Die wichtigste Aufgabe des Atelier Isie ist die Validierung von Texten. Klaro schickt die Texte, die in „Leichte Sprache“ oder FALC geschrieben wurden, an Mitarbeiter des Atelier Isie, die eine intellektuelle Beeinträchtigung haben.

    Diese Personen, die für diese Arbeit bezahlt werden, sind in der Lage, Leichte Sprache auf Deutsch zu lesen („Leichte Sprache“). Sie schlagen Änderungen vor, um sicherzustellen, dass die Texte korrekt den Regeln der Leichten Sprache entsprechen.

    Warum ist das so wichtig?

    Die Prüfer des Atelier Isie sind die Experten. Sie sind die einzigen, die genau wissen, ob ein Text wirklich einfach zu verstehen ist. Ohne ihre Validierung kann ein Dokument nicht das Easy-to-Read Logo von Inclusion Europe erhalten.

    Ein konkreter Tag im Atelier Isie

    Die Teilnehmer des Atelier Isie machen nicht nur Arbeit für Klaro. Sie arbeiten auch am Computer, schreiben E-Mails, machen Büroarbeit, arbeiten an einer Zeitung und machen Erklärvideos. All diese Aktivitäten helfen ihnen, berufliche Kompetenzen aufzubauen.

    Zusammenarbeit mit der Verwaltung und der Gesellschaft

    Das Atelier Isie ist ein wichtiges Beispiel für Ko-Produktion: Professionelle Mitarbeiter von Klaro arbeiten mit den Experten des Atelier Isie zusammen. Sie entwickeln gemeinsam die Inhalte – sowohl Text als auch Bilder. Die Experten prüfen, ob ein Text einfach zu verstehen ist. Sie tauschen neue Ideen für barrierefreie Kommunikation aus.

    Erfolgsgeschichten

    Die Mitarbeiter des Innenministeriums haben die Texte in Leichter Sprache zusammen mit Klaro und der Prüfgruppe der APEMH-Ateliers erstellt. Dies gilt für wichtige Informationen auf Infocrise.lu, aber auch für Wahlmaterial, Guichet.lu-Merkblätter und vieles mehr.

    Schon 2017 hat das ZPB (Zentrum für politische Bildung) zusammen mit Klaro ein Heft und ein Plakat zu den Gemeindewahlen in Leichter Sprache herausgegeben. Die Piktogramme, die verwendet wurden, kommen auch von den Menschen im Atelier Isie.

    Mehr als eine Arbeit – eine Mission

    Die Teilnehmer des Atelier Isie machen nicht nur eine Arbeit. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer inklusiveren Gesellschaft. Sie sorgen dafür, dass Informationen für jeden zugänglich sind – und damit für mehr Autonomie, mehr Teilhabe und mehr Demokratie.

  • Cap’FALC – Innovation aus Frankreich für Leichte Sprache

    Cap’FALC – Innovation aus Frankreich für Leichte Sprache

    Wenn Künstliche Intelligenz die Übersetzer unterstützt

    In Frankreich ist die UNAPEI, die große nationale Vereinigung für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, einen besonderen Weg gegangen: Mit Cap FALC haben sie ein Werkzeug entwickelt, das nicht nur KI nutzt, sondern das auch zusammen mit Menschen mit Beeinträchtigung und mit Übersetzern gebaut wurde. Ein Modell, das zeigt, wie Partizipation in der Entwicklung von Technologie funktionieren kann.

    Was ist Cap FALC?

    Cap’FALC ist ein Online-Werkzeug, das es einfacher macht, Dokumente in FALC – die französische Leichte Sprache – zu erstellen. Das Werkzeug kombiniert verschiedene Funktionalitäten:

    1. Ein Algorithmus mit Künstlicher Intelligenz Die KI schlägt einfachere Sätze vor, die den Regeln von FALC entsprechen. Aber Achtung: Es ist der Übersetzer, der entscheidet, ob der Vorschlag gut ist oder noch angepasst werden muss.

    2. Ein kollaboratives Wörterbuch Alle Benutzer haben Zugang zu Definitionen von Wörtern und Konzepten, geschrieben nach den Regeln von FALC. Alle Benutzer können auch ihre eigenen Definitionen hinzufügen.

    3. Eine kollaborative Bilddatenbank Um die Dokumente mit Bildern zu illustrieren, gibt es eine Sammlung von geteilten Bildern. Genau wie beim Wörterbuch kann jeder Benutzer seine eigenen Bilder hinzufügen.

    Wie ist Cap’FALC entstanden?

    Die Geschichte von Cap’FALC hat einen besonderen Weg.

    Der Kontext: FALC in Frankreich Vor ungefähr 15 Jahren hat die UNAPEI begonnen, die Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen, dass Information für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung zugänglich sein muss. Sie haben die Methode FALC (Facile à Lire et à Comprendre – Leicht zu Lesen und zu Verstehen) gefördert.

    Nach ein paar Jahren wurde die Nachfrage immer größer. Viele Organisationen, Unternehmen und Institutionen wollten ihre Texte in FALC schreiben oder übersetzen. Aber es war klar: Für eine echte Barrierefreiheit müssten noch viel mehr Texte übersetzt werden. Ein kolossales Projekt!

    Der Start des Projekts 2018 hat die UNAPEI beschlossen zu handeln. Sie haben ein Forschungsprojekt gestartet, das in Zusammenarbeit mit renommierten Partnern aus der Künstlichen Intelligenz gemacht wurde:

    • Meta AI (das Forschungslabor von Facebook/Meta)
    • INRIA (Institut National de Recherche en Informatique et Automatique)

    Das Projekt wurde unter die Hohe Schirmherrschaft des französischen Sekretariats für Menschen mit Behinderung gestellt.

    Der Forscher mit FALC-Erfahrung

    Das Projekt wurde einem jungen Wissenschaftler anvertraut: Louis Martin, Doktorand und Forscher über Sprachverarbeitung und Textvereinfachung.

    Seine Herangehensweise war innovativ:

    1. Ausbildung in FALC: Louis Martin hat sich selbst am ESAT de la Roseraie in FALC ausbilden lassen
    2. Immersion in einer Werkstatt: Er hat eine Zeit in einer FALC-Werkstatt verbracht – bei den Papillons Blancs de Dunkerque – um zu verstehen, wie die Übersetzung funktioniert
    3. Sammlung von Daten: Er hat bei Übersetzungswerkstätten Texte gesammelt, die schon in FALC übersetzt waren
    4. Algorithmus-Entwicklung: Mit diesen Beispielen hat er einen Algorithmus mit Künstlicher Intelligenz entwickelt, der automatisch vereinfachten Text generiert

    Co-Entwicklung mit den Benutzern

    Aber Cap’FALC ist mehr als nur ein KI-Algorithmus. Das Werkzeug wurde zusammen mit den Leuten gebaut, die es auch benutzen werden.

    2020: Die Basis-Entwicklung Mitglieder von Übersetzungswerkstätten aus dem UNAPEI-Netzwerk, die Vereinigung „Nous Aussi“ (Selbstvertreter) und die CNSA haben zusammen die Basis von Cap’FALC gebaut.

    2022: Test-Phase Übersetzer aus ESAT vom UNAPEI-Netzwerk haben das Werkzeug getestet und ihr Feedback gegeben.

    Das Resultat: Ein Werkzeug, das auf vielen Ebenen innovativ ist, aber das auch die Erfahrung der Benutzer integriert.

    Warum ist diese Herangehensweise so besonders?

    Partizipation als Prinzip Cap FALC folgt der goldenen Regel von FALC: Die Einbeziehung von Menschen mit Beeinträchtigung. Sie sind nicht nur „Zielgruppe“ – sie sind aktiv an der Entwicklung beteiligt.

    Künstliche Intelligenz als Hilfswerkzeug Die KI schlägt Vereinfachungen vor – aber die Menschen mit Beeinträchtigung entscheiden. Das ist der Schlüssel: Die Technologie unterstützt, aber ersetzt nicht.

    Kollaboration statt Isolation Mit dem Wörterbuch und der Bilddatenbank arbeiten alle Benutzer zusammen. Jede Definition, jedes Bild, hilft anderen.

    Veröffentlichung

    Der Rollout hat 2024 begonnen Anfang 2024 hat Cap’FALC begonnen, im UNAPEI-Netzwerk verbreitet zu werden. Werkstatt nach Werkstatt wird das Werkzeug eingeführt.

    Das Ziel
    Die UNAPEI will, dass die Information für jeden zugänglich wird. Cap FALC soll die FALC-Produktion „demokratisieren“ – also mehr Leuten ermöglichen, mehr Texte in FALC zu produzieren.

  • Accessilingua – Künstliche Intelligenz für Leichte Sprache

    Accessilingua – Künstliche Intelligenz für Leichte Sprache

    Wenn die Technologie die Inklusion unterstützt

    Es dauert 2 Stunden, um einen Basistext von 500 Wörtern in Leichte Sprache zu übersetzen. Im Kontext des Schreibens von Texten in FALC und „Leichter Sprache“ für die Guichet.lu-Website ist es schwierig, Texte in großen Mengen zu produzieren. Was, wenn eine Künstliche Intelligenz dies beschleunigen könnte?

    Das Problem: Zu viel Arbeit, zu wenig Zeit

    Aktuell wählt das Redaktionsteam von Guichet.lu die relevanten und dringenden Texte aus und schreibt sie in FALC und Leichte Sprache um. Danach:

    1. Versand an Klaro: Diese Vorschläge werden an Klaro geschickt, einen Service der APEMH, dem offiziellen Zentrum für Leichte Sprache
    2. Validierung durch Experten: Klaro schickt die Texte an Mitarbeiter mit intellektueller Beeinträchtigung, die prüfen, ob sie verständlich sind
    3. Logo-Zertifizierung: Das Inclusion Europe Logo zertifiziert diese Überprüfung

    Dieser Prozess ist lang und zeitaufwändig für öffentliche Organisationen, was die Verbreitung von Texten in FALC und „Leichter Sprache“ in großem Maßstab begrenzt.

    Eine Lösung: AccessiLingua

    Was ist AccessiLingua?

    Das GovTech Lab hat ein Tool gesucht, das auf Künstlicher Intelligenz basiert und fähig ist, Autoren bei der Übersetzung ihres Textes in Leichte Sprache so effizient wie möglich zu unterstützen.

    Wer steht hinter AccessiLingua?

    Das GovTech Lab des Digitalisierungsministeriums und das CTIE haben in Zusammenarbeit mit dem Familienministerium im Mai 2024 einen Appel à Projet (Projektausschreibung) gestartet.

    Wie funktioniert es?

    1. Input: Schwerer Text Ein schwerer (so werden Texte genannt, die nicht in Leichter Sprache geschrieben sind) Verwaltungstext wird in das System eingegeben – auf Französisch oder Deutsch.

    2. KI-Verarbeitung Die Künstliche Intelligenz (KI) analysiert den Text und produziert eine Version in Leichter Sprache, die die Regeln von FALC oder „Leichter Sprache“ so gut wie möglich respektiert.

    3. Menschliche Korrektur Diese Version des Textes wird noch nachgeprüft und von Fachpersonen für Leichte Sprache validiert. Dies ist essentiell – die KI ist nur ein Hilfsmittel, kein Ersatz für menschliche Experten!

    4. Validierung durch die Zielgruppe Nach dem Korrekturlesen durch Fachpersonen wird der Text wie immer an Prüfer – wie das Atelier Isie – zur finalen Validierung geschickt.

    Was sind die Vorteile?

    Schnellere Produktion Anstatt 2 Stunden für 500 Wörter kann die KI eine erste Version in Minuten produzieren.

    Mehr Texte verfügbar Mit einer KI-Unterstützung können mehr Texte in Leichter Sprache auf Regierungswebsites verfügbar gemacht werden.

    Konsistenz Die KI benutzt dieselben Regeln und bleibt konsistent.

    Luxemburger Kontext Das Tool soll Texte auf Französisch und Deutsch in Leichte Sprache umschreiben, die so gut wie möglich die französischen und deutschen Regeln respektieren, sowie Ausdrücke, Abkürzungen und gebräuchliche Namen im Luxemburger Kontext.

    Wann ist es verfügbar?

    Wirtschaftliche Akteure, die interessiert waren, an „AccessiLingua“ teilzunehmen, wurden eingeladen, ihr Bewerbungsdossier bis zum 10. Juni 2024 einzureichen.

    Ein Dienstleister wurde Ende 2024 ausgewählt.

    Was sagt Klaro dazu?

    Nach einem Interview mit Klaro im April 2025 scheinen die ersten Ergebnisse vielversprechend zu sein. Aber es ist klar: Eine menschliche Korrektur bleibt immer notwendig, bevor ein Dokument an das Atelier Isie geschickt wird.

    Grenzen der KI

    ⚠️ Nicht für jeden zugänglich Am Anfang wird das Programm nur für Regierungsorgane verfügbar sein. Aber Klaro hofft, dass es in Zukunft für die breite Öffentlichkeit geöffnet wird.

    ⚠️ Ersetzt keine menschlichen Experten Die KI kann nicht die Nuancen und den menschlichen Verstand ersetzen. Sie ist ein Hilfsmittel – nicht mehr, nicht weniger.

    ⚠️ Der Kontext ist wichtig Manchmal muss man Informationen hinzufügen oder weglassen. Dies kann eine KI nicht immer richtig entscheiden.

    Andere Länder arbeiten auch daran

    Luxemburg ist nicht allein. Verschiedene Länder arbeiten an ähnlichen Systemen:

    • Deutschland hat Tools für Leichte Sprache entwickelt
    • Die Europäische Union unterstützt Forschungen in diesem Bereich
    • Verschiedene Universitäten arbeiten mit Natural Language Processing für zugängliche Texte

    Die Zukunft: Künstliche Intelligenz als Partner

    AccessiLingua ist ein Beispiel dafür, wie Technologie Inklusion unterstützen kann. Zusammen können wir mehr Informationen für mehr Leute zugänglich machen.