Barrierefreie Videos sind für alle nützlich. Sie helfen zum Beispiel Menschen mit Lernschwäche, Seh- oder Hörbeeinträchtigung, sowie Menschen, die eine neue Sprache lernen möchten. Das Zusammenspiel aus Bild, Text und Ton ermöglicht es, komplexe Inhalte übersichtlich darzustellen. Damit ein Video wirklich barrierefrei ist, müssen viele Details beachtet werden: die verwendete Sprache, die technische Qualität, Untertitel, Audiodeskription und, wenn möglich, eine Gebärdensprach-Verdolmetschung. Dieser Artikel stellt die bewährten Praktiken für barrierefreie Videos vor.
Empfehlungen statt festgesetzter Normen
Für barrierefreie Videos gibt es Empfehlungen, aber keine festgesetzten internationalen Normen. Die Empfehlungen in diesem Artikel richten sich vorrangig an das luxemburgische Publikum.
Wem nützen barrierefreie Videos?
- Untertitel sind besonders hilfreich für Menschen mit Hörbeeinträchtigung und für Sprachlernende. Gehörlose Menschen sollten, wenn möglich, Erklärungen in Gebärdensprache erhalten.
- Menschen mit Sehbeeinträchtigung profitieren von vollständigen Transkripten sowie Audiodeskriptionen, die mündlich beschreiben, was ein sehendes Publikum wahrnehmen kann.
- Menschen mit Lese- oder Lernschwäche profitieren von Videos in Einfacher oder Leichter Sprache.
- Manche Menschen, zum Beispiel mit Epilepsie, können sensibel auf flackernde Effekte und schnell wechselnde Bilder reagieren, solche Elemente sollten vermieden werden.
Ein barrierefreies Video Schritt für Schritt gestalten
Untertitel, Audiodeskription und Gebärdensprache
Untertitel geben das Gesagte wieder und können zusätzliche Informationen liefern (Sprecher-Kennzeichnung, Hintergrundgeräusche, Emotionen). Die Audiodeskription richtet sich vor allem an sehbeeinträchtigte Menschen. Gebärdensprachvideos ergänzen Untertitel sinnvoll für Menschen, deren Muttersprache die Gebärdensprache ist.
Technische Details und Aufbau
- Sehr gute Bild- und Tonqualität; leicht zu findende Einstellungen für Ton, Bildschirm und Untertitel.
- Unnötige Hintergrundgeräusche, Zeitlupen, Zeitraffer und flackernde Effekte vermeiden (Epilepsie-Risiko). Das WCAG-Erfolgskriterium 2.3.1 („Three Flashes or Below Threshold“) empfiehlt, in Videoinhalten nie mehr als drei Blitze pro Sekunde zu zeigen.
- Ausreichender Kontrast in allen Bildern; weder zu hell noch zu dunkel.
- Kurze Videos bevorzugen (wenige Minuten, auf Social Media noch kürzer); komplexe Themen in mehrere Videos aufteilen.
- Zu viele Bilder, Schauplätze und hektische Kamerabewegungen vermeiden; Ortswechsel ankündigen.
Sprache und Sprechweise
Die sprechende Person sollte einfache Wörter und kurze Sätze benutzen, deutlich, ohne Dialekt und langsam sprechen, mit genügend Pausen. Ein vollständiges Transkript ermöglicht das Ausdrucken und Lesen des Textes, auch per Vorlesefunktion für sehbeeinträchtigte Menschen. Im Video sollte nur über das gesprochen werden, was gerade gezeigt wird; eine Hintergrundstimme sollte zuerst vorgestellt werden.
Quellen
- Barrierefreie Videos, Akzent.lu
- Erfolgskriterium 2.3.1, Three Flashes or Below Threshold, W3C WAI

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