Gebärdensprachen sind vollwertige Sprachen wie alle anderen Lautsprachen, aber visuell: Sie werden mit Gestik, Mimik, Körperhaltung und Mundbewegungen ausgedrückt und über den Sehsinn wahrgenommen. Sie sind die natürlichen Muttersprachen von Menschen, die von Geburt an gehörlos sind oder ihr Gehör vor dem Erlernen der Lautsprache verlieren. 2008 haben die Vereinten Nationen Gebärdensprachen offiziell als vollwertige Sprachen anerkannt, und in Luxemburg wurde die Deutsche Gebärdensprache 2018 als eigenständige Sprache anerkannt. Dieser Artikel erklärt, wie Gebärdensprache funktioniert und wie Sie Ihre Informationen für die Gehörlosengemeinschaft barrierefrei gestalten.
Sechs Maßnahmen für barrierefreie Kommunikation mit Gehörlosen
Um Informationen für gehörlose Menschen barrierefrei zu gestalten, reicht es nicht aus, Inhalte lediglich schriftlich bereitzustellen. Viele gehörlose Menschen haben die nationale Gebärdensprache als Erstsprache (z. B. Deutsche Gebärdensprache, DGS, oder Langue des Signes Française, LSF). Deshalb sollten Informationen in mehreren barrierefreien Formaten angeboten werden. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:
- Untertitel: Alle Videos sollten vollständige und gut synchronisierte Untertitel enthalten. Sie helfen insbesondere schwerhörigen Personen und gehörlosen Menschen mit hoher Schriftkompetenz.
- Gebärdensprachvideos (DGS/LSF): Wichtige Informationen sollten zusätzlich als Video in der jeweiligen Gebärdensprache bereitgestellt werden. Untertitel allein ersetzen Gebärdensprache nicht, da Schriftsprache für viele Gehörlose eine Zweitsprache ist.
- Barrierefreie digitale Angebote: Webseiten und Dokumente sollten den geltenden Barrierefreiheitsstandards entsprechen (z. B. WCAG/RGAA) und Alternativen wie Untertitel, Gebärdensprache und barrierefreie Dokumente bereitstellen.
- Klare Gestaltung: Informationen sollten übersichtlich aufgebaut sein, mit aussagekräftigen Überschriften, genügend Weißraum sowie unterstützenden Symbolen oder Piktogrammen. Dadurch wird das Verständnis erleichtert.
- Mehrere Kommunikationskanäle: Neben Telefon sollten Kontaktmöglichkeiten per E-Mail, Chat, SMS oder Videodolmetschen in Gebärdensprache angeboten werden.
- Einfache bzw. Leichte Sprache (DE) oder FALC (FR): Komplexe Inhalte sollten zusätzlich in leicht verständlicher Sprache angeboten werden. Dabei werden kurze Sätze, einfache Wörter und eine klare Struktur verwendet. In Frankreich entspricht dies dem Konzept FALC (Facile à lire et à comprendre).
Die Gehörlosen-Community, eine kulturelle und sprachliche Gruppe
Viele gehörlose und schwerhörige Menschen, die Gebärdensprache nutzen, fühlen sich der Gehörlosen-Gemeinschaft zugehörig, ebenso wie Kinder gehörloser Eltern und andere Angehörige. Sie sehen sich als Mitglieder einer eigenständigen kulturellen und sprachlichen Gemeinschaft.
Grammatik und Struktur der Gebärdensprache
Gebärdensprache nutzt nicht die Stimme, sondern den Körper. Sie wird vorrangig mit den Händen ausgeführt, unterstützt durch Oberkörper, Kopf und Gesichtsausdruck, im sogenannten Gebärdenraum, einem dreidimensionalen Bereich vom Kopf bis zur Hüfte und von einer Körperseite zur anderen. Gebärdensprachen haben eine eigene Grammatik: In der Deutschen Gebärdensprache steht das Verb zum Beispiel meist am Satzende. Das Fingeralphabet wird nur sparsam verwendet, hauptsächlich zum Buchstabieren von Namen.
Eine junge rechtliche Anerkennung
2008 haben die Vereinten Nationen mit der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) Gebärdensprachen offiziell als vollwertige Sprachen anerkannt. In Luxemburg verabschiedete die Chambre des Députés am 24. Juli 2018 einstimmig eine Änderung des Gesetzes vom 24. Februar 1984 über die Sprachenregelung, mit der die Deutsche Gebärdensprache als eigenständige Sprache in Luxemburg anerkannt wurde. Diese Anerkennung brachte konkrete Rechte: Jedes gehörlose Kind erhält das Recht, dem Grund- und Sekundarschulunterricht in Gebärdensprache zu folgen; gehörlose Menschen können die Gebärdensprache bei Behördengängen verwenden; und Familienangehörige gehörloser Menschen können bis zu 100 Stunden Gebärdensprachkurs besuchen, die der Staat übernimmt.
Nationale Sprachen, eigen für jedes Land
Grundsätzlich hat jedes Land seine eigene Gebärdensprache. Im deutschsprachigen Raum gibt es die Deutsche Gebärdensprache (DGS), die Österreichische (ÖGS) und die Deutschschweizer (DSGS). Für das Französische gibt es Gebärdensprachen in Frankreich (LSF), in der französischsprachigen Schweiz (LSF-SR), in Belgien (LSFB) und in Kanada (LSQ). Luxemburg hat keine eigene Gebärdensprache: Hier wird die Deutsche Gebärdensprache (DGS) genutzt, da sie im Land am weitesten verbreitet war.
„International Sign“ ist keine internationale Gebärdensprache im eigentlichen Sinne, sondern eine Plansprache, die bei internationalen Treffen, zum Beispiel Konferenzen, verwendet wird.
Veranstaltungen & Links
In Luxemburg werden regelmäßig Gebärdensprachkurse angeboten. In Gebärdensprach-Cafés können Sie die Sprache in entspannter Atmosphäre kennenlernen.
- Veranstaltungskalender, info-handicap.lu
- Daaf DGS Lëtzebuerg, Instagram
Quellen
- Gebärdensprache, Akzent.lu
- hoergeschaedigt.lu, Vereinigungen hörbeeinträchtigter Menschen in Luxemburg
- Gebärdensprache, Bundesfachstelle Barrierefreiheit
- Untertitel, ARD Hilfe
- Leichte Sprache, Bundesfachstelle Barrierefreiheit
- Outils de création pour rendre l’information et la communication accessibles, info.gouv.fr
- Accessibilité téléphonique sourds ou malentendants, Ministère de l’Education nationale
- Accessibilité universelle, handicap.gouv.fr
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