Barrierefreiheit in Luxembourg

Kategorie: Kommunikation

  • Cap’FALC und Accessilingua – Zwei Wege zum selben Ziel

    Cap’FALC und Accessilingua – Zwei Wege zum selben Ziel

    Wie Frankreich und Luxemburg an der Zukunft der Leichten Sprache arbeiten

    In Frankreich wird Cap’FALC entwickelt, in Luxemburg Accessilingua. Beide Projekte nutzen Künstliche Intelligenz (KI), um Texte in Leichte Sprache zu übersetzen. Aber die Ansätze, Zielgruppen und Philosophien sind unterschiedlich. Es gibt eben verschiedene Wege, um dasselbe Ziel zu erreichen.

    Was haben sie gemeinsam?

    Bevor wir auf die Unterschiede eingehen, schauen wir uns zunächst an, was beide Projekte gemeinsam haben:

    1. Die Technologie Beide nutzen Künstliche Intelligenz, um Texte zu vereinfachen. Die KI analysiert komplizierte Texte und schlägt einfachere Versionen vor, die den Regeln der Leichten Sprache entsprechen.

    2. Das Ziel Beide Projekte haben dasselbe Hauptziel: Mehr Texte in Leichter Sprache produzieren – und schneller. Ohne diese Technologie dauert es 2 Stunden, um einen einzigen Text von 500 Wörtern in Leichte Sprache zu übersetzen.

    3. Die Grenzen der KI Beide Projekte unterstreichen: Die KI ist ein Hilfsmittel, kein Ersatz für menschliche Experten. Eine menschliche Überprüfung und Validierung bleibt essenziell.

    4. Die Regeln Beide basieren auf den Regeln von Inclusion Europe, für FALC (Frankreich) oder Leichte Sprache (Deutschland/Luxemburg).

    5. Die Hauptidee Beide Projekte teilen die Überzeugung, dass Information für jeden zugänglich sein muss. Künstliche Intelligenz kann helfen, dieses Ziel schneller zu erreichen.

    Wo sind die Unterschiede?

    Trotz dieser Gemeinsamkeiten unterscheiden sich die beiden Projekte stark:

    Ursprung und Kontext

    AspektCap FALCAccessilingua
    LandFrankreichLuxemburg
    InitiatorUNAPEI (Verband für Menschen mit Behinderung)GovTech Lab (Ministerium für Digitalisierung)
    Startdatum20182024
    PartnerMeta AI, INRIATeam SoftGiant, CTIE, Klaro

    Cap’FALC ist aus der FALC-Bewegung selbst entstanden. Die UNAPEI, der nationale Verband für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, hat gesehen, dass das Land mehr Übersetzungskapazität braucht. Also haben sie das Tool entwickelt.

    Accessilingua ist ein Top-down-Ansatz: Die Regierung hat gesehen, dass auf guichet.lu nicht genug Texte in Leichter Sprache existieren, weil die Produktion zu lange dauert. Also hat das GovTech Lab einen Appel à Solutions gemacht.

    Zielpublikum

    Cap’FALC:

    • FALC-Ateliers in Frankreich
    • Transkripteure aus ESAT (Werkstätten und Betriebe für Menschen mit Behinderung)
    • Zugang vorrangig für Menschen, die in FALC ausgebildet sind

    Accessilingua:

    • Öffentliche Verwaltung in Luxemburg
    • Redakteure von guichet.lu, infocrise.lu usw.
    • Am Anfang: Nur für Regierungsorgane
    • Hoffnung: Später eventuell für die breite Öffentlichkeit

    Der wichtigste Unterschied: Cap FALC ist ein Tool VON Menschen mit Behinderung FÜR Menschen mit Behinderung. Accessilingua ist ein Tool für die Verwaltung – mit Hilfe von Klaro entwickelt – um Dokumente zu erstellen, die von Menschen mit Behinderung gelesen werden.

    Funktionalitäten

    Cap FALC bietet:

    • KI-Vereinfacher: Schlägt einfachere Sätze vor
    • Kollaboratives Wörterbuch: Von Nutzern erstellte Definitionen
    • Kollaborative Bilddatenbank: Geteilte Illustrationen
    • Community-Feature: Alle Nutzer können zur Übersetzungsfunktion beitragen

    Accessilingua bietet:

    • KI-Übersetzung: Generiert Texte in FALC/Leichte Sprache
    • Luxemburger Anpassung: Berücksichtigt lokale Wörter (z.B. „Formation“ statt „Weiterbildung“, „Chamberwal“ statt „Parlamentswahl“)
    • Zwei Sprachen: Französisch (FALC) und Deutsch (Leichte Sprache)
    • Integration: Direkt mit Guichet.lu und anderen Regierungsseiten

    Der wichtigste Unterschied: Cap’FALC ist eine komplette Arbeitsumgebung mit Community-Features. Accessilingua ist stärker auf die Übersetzungsfunktion fokussiert.

    Fazit

    Cap FALC und Accessilingua sind keine Konkurrenten. Sie sind Beispiele für verschiedene Ansätze, jeweils optimiert für das Land und das Zielpublikum. Beide Projekte zeigen:

    ✅ Künstliche Intelligenz kann Leichte Sprache demokratisieren
    ✅ Menschliche Validierung bleibt essenziell
    ✅ Es braucht technische und kreative Lösungen, um mehr Informationen für jeden zugänglich zu machen


  • Projekt Starter Pack – APEMH gewinnt den Prix de l’inclusion numérique

    Projekt Starter Pack – APEMH gewinnt den Prix de l’inclusion numérique

    Wenn digitale Inklusion auf Leichte Sprache trifft

    Am 17. Mai 2025 erhielt die APEMH den „Prix de l’inclusion numérique“ für ihr innovatives Projekt „Starter Pack“. Dies ist nicht nur ein Preis – es ist ein wichtiger Schritt für mehr digitale Inklusion in Luxemburg.

    Was ist das Projekt Starter Pack?

    Der Starter Pack ist eine kompakte Basisschulung für Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung. Das Ziel ist einfach: Den Leuten die Kompetenzen geben, die sie brauchen, um in der digitalen Welt anzufangen.

    Warum ist das so wichtig?

    In den letzten Jahren hat die APEMH festgestellt, dass viele Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung noch immer viele Barrieren in der digitalen Welt erleben. Solche Probleme verhindern, dass Leute voll und ganz am digitalen Leben teilhaben können:

    • Du hast ein Smartphone, aber du hast Schwierigkeiten QR-Codes zu scannen
    • Du willst ein App-Konto erstellen, aber findest das zu kompliziert
    • Du hast einen Computer, aber weißt nicht wie man das Internet im Alltag benutzen kann

    Wie funktioniert der Starter Pack?

    Die Schulungsmodule

    Der Starter Pack besteht aus verschiedenen Schulungsmodulen. Jedes Modul ist speziell an Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung angepasst. Die Inhalte sind in Leichter Sprache und auf Luxemburgisch geschrieben – eine Kombination, die spezifisch für Luxemburg ist!

    Flexibles Lernen

    Ganz nach dem Motto „Design for All“ und „Leichte Kommunikation“ ist der Starter Pack für jedermann zugänglich:

    • Du kannst in deinem eigenen Rhythmus alleine lernen
    • Oder zusammen mit anderen in einer Gruppe
    • Mit einem gedruckten Handbuch
    • Am Computer
    • Mit Videos

    Die drei Phasen des Projekts

    Phase 1: Definieren In der ersten Phase werden die Schulungsmodule definiert. Dies geschieht basierend auf der Analyse von anderen digitalen Projekten, die die APEMH schon realisiert hat. Ganz wichtig: Dies geschieht in einem inklusiven Team – das heißt, Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung arbeiten aktiv mit.

    Phase 2: Testen und Adaptieren Der Starter Pack wird mit der Zielgruppe getestet. Nachdem die Leute den Starter Pack benutzt haben, geben sie Feedback und schlagen Verbesserungen vor. Die Module werden dann adaptiert für eine bessere Verständlichkeit.

    Phase 3: Veröffentlichen Zu guter Letzt werden die Schulungsmodule und Handbücher auf der Website lern-plattform.lu veröffentlicht. So kann jeder darauf zugreifen!

    Unterstützung vom Staat

    Das Projekt wird vom Ministerium für Digitalisierung unterstützt. Dies zeigt wie wichtig dem Staat digitale Inklusion ist. Es geht nicht nur darum, dass alle Leute Zugang zum Internet haben, sondern auch dass sie wissen wie sie das Internet benutzen können.

    Mehr als nur Schulung

    Der Starter Pack ist ein wichtiges Beispiel wie Leichte Sprache und Digitalisierung zusammenarbeiten können. Indem die APEMH die Inhalte in Leichter Sprache und auf Luxemburgisch veröffentlicht, macht sie digitale Inklusion zugänglicher als je zuvor.

    Dies ist auch ein wichtiger Schritt in der Entwicklung von Leichter Sprache auf Luxemburgisch – ein Bereich, der noch im Aufbau ist.

    Die Lernplattform der APEMH

    Der Starter Pack ist nicht das einzige Projekt auf der Lernplattform. Auf lern-plattform.lu findet man schon jetzt andere digitale Projekte und Ressourcen:

    • Tutorials für verschiedene Apps und Programme
    • Erklärungsvideos in Leichter Sprache
    • Praktische Guides für den Alltag

    Wann kommt der Starter Pack?

    Die APEMH hat angekündigt, dass der Starter Pack im Laufe des Jahres 2026 verfügbar sein wird. Die Arbeit ist in vollem Gang!

    Die Rolle der APEMH

    Die APEMH setzt sich seit Jahren für die Inklusion und Selbstbestimmung von Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung ein. Ihre Missionen sind:

    Strukturen und Dienstleistungen anbieten, die an die diversen Bedürfnisse von Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung angepasst sind.

    Aktiv zur Verteidigung der Rechte und Interessen von Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung beitragen.

    Die Tätigkeitsbereiche der APEMH gliedern sich rund um folgende Themenbereiche:

    Beratung und Orientierung, Kinder und Familie, Tagesstruktur für Erwachsene, Ausbildung und Arbeit, Wohnen, Begleitung und Unterstützung, Weiterbildungs- und Kompetenzzentren.

    Dank diesen unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen bieten die APEMH-Ateliers eine vielfältige Auswahl an lokalen und handwerklichen Produkten sowie verschiedene Dienstleistungen.

    Mehr Informationen:


    Quellen:

  • Atelier Isie – Experten mit intellektueller Beeinträchtigung validieren Texte

    Atelier Isie – Experten mit intellektueller Beeinträchtigung validieren Texte

    Wenn die Zielgruppe mitarbeitet

    Ab Oktober 2022 wurde ein neues Atelier für Leichte Sprache und inklusive Kommunikation geplant. Das Atelier Isie ist ein mobiles Atelier, das an verschiedenen Standorten der APEMH aktiv ist. Hier arbeiten junge Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung – und sie sind die einzigen, die wirklich entscheiden können, ob ein Text einfach zu verstehen ist.

    Was ist das Atelier Isie?

    Das Atelier Isie bietet eine berufliche Ausbildung für junge Menschen ab 16 Jahren. Diese Ausbildung wird am Standort in Limpach angeboten, aber da es ein mobiles Atelier ist, werden Arbeiten an verschiedenen Standorten durchgeführt: in Bettemburg-sur-Mess, Limpach, Hosingen, Bettembourg und Esch-sur-Alzette.

    Welche Arbeiten machen die Teilnehmer?

    Die Arbeiten im Atelier Isie sind vielfältig:

    • Texte von schwerer in Leichte Sprache schreiben
    • Informationen (Texte, Videos usw.) in Leichter Sprache prüfen
    • Die Zeitung der Ateliers schreiben
    • Schulungen über Leichte Sprache mithalten
    • Erklärvideos machen

    Die Rolle als Prüfer: Der Schlüssel zur Qualität

    Die wichtigste Aufgabe des Atelier Isie ist die Validierung von Texten. Klaro schickt die Texte, die in „Leichte Sprache“ oder FALC geschrieben wurden, an Mitarbeiter des Atelier Isie, die eine intellektuelle Beeinträchtigung haben.

    Diese Personen, die für diese Arbeit bezahlt werden, sind in der Lage, Leichte Sprache auf Deutsch zu lesen („Leichte Sprache“). Sie schlagen Änderungen vor, um sicherzustellen, dass die Texte korrekt den Regeln der Leichten Sprache entsprechen.

    Warum ist das so wichtig?

    Die Prüfer des Atelier Isie sind die Experten. Sie sind die einzigen, die genau wissen, ob ein Text wirklich einfach zu verstehen ist. Ohne ihre Validierung kann ein Dokument nicht das Easy-to-Read Logo von Inclusion Europe erhalten.

    Ein konkreter Tag im Atelier Isie

    Die Teilnehmer des Atelier Isie machen nicht nur Arbeit für Klaro. Sie arbeiten auch am Computer, schreiben E-Mails, machen Büroarbeit, arbeiten an einer Zeitung und machen Erklärvideos. All diese Aktivitäten helfen ihnen, berufliche Kompetenzen aufzubauen.

    Zusammenarbeit mit der Verwaltung und der Gesellschaft

    Das Atelier Isie ist ein wichtiges Beispiel für Ko-Produktion: Professionelle Mitarbeiter von Klaro arbeiten mit den Experten des Atelier Isie zusammen. Sie entwickeln gemeinsam die Inhalte – sowohl Text als auch Bilder. Die Experten prüfen, ob ein Text einfach zu verstehen ist. Sie tauschen neue Ideen für barrierefreie Kommunikation aus.

    Erfolgsgeschichten

    Die Mitarbeiter des Innenministeriums haben die Texte in Leichter Sprache zusammen mit Klaro und der Prüfgruppe der APEMH-Ateliers erstellt. Dies gilt für wichtige Informationen auf Infocrise.lu, aber auch für Wahlmaterial, Guichet.lu-Merkblätter und vieles mehr.

    Schon 2017 hat das ZPB (Zentrum für politische Bildung) zusammen mit Klaro ein Heft und ein Plakat zu den Gemeindewahlen in Leichter Sprache herausgegeben. Die Piktogramme, die verwendet wurden, kommen auch von den Menschen im Atelier Isie.

    Mehr als eine Arbeit – eine Mission

    Die Teilnehmer des Atelier Isie machen nicht nur eine Arbeit. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer inklusiveren Gesellschaft. Sie sorgen dafür, dass Informationen für jeden zugänglich sind – und damit für mehr Autonomie, mehr Teilhabe und mehr Demokratie.

  • Cap’FALC – Innovation aus Frankreich für Leichte Sprache

    Cap’FALC – Innovation aus Frankreich für Leichte Sprache

    Wenn Künstliche Intelligenz die Übersetzer unterstützt

    In Frankreich ist die UNAPEI, die große nationale Vereinigung für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, einen besonderen Weg gegangen: Mit Cap FALC haben sie ein Werkzeug entwickelt, das nicht nur KI nutzt, sondern das auch zusammen mit Menschen mit Beeinträchtigung und mit Übersetzern gebaut wurde. Ein Modell, das zeigt, wie Partizipation in der Entwicklung von Technologie funktionieren kann.

    Was ist Cap FALC?

    Cap’FALC ist ein Online-Werkzeug, das es einfacher macht, Dokumente in FALC – die französische Leichte Sprache – zu erstellen. Das Werkzeug kombiniert verschiedene Funktionalitäten:

    1. Ein Algorithmus mit Künstlicher Intelligenz Die KI schlägt einfachere Sätze vor, die den Regeln von FALC entsprechen. Aber Achtung: Es ist der Übersetzer, der entscheidet, ob der Vorschlag gut ist oder noch angepasst werden muss.

    2. Ein kollaboratives Wörterbuch Alle Benutzer haben Zugang zu Definitionen von Wörtern und Konzepten, geschrieben nach den Regeln von FALC. Alle Benutzer können auch ihre eigenen Definitionen hinzufügen.

    3. Eine kollaborative Bilddatenbank Um die Dokumente mit Bildern zu illustrieren, gibt es eine Sammlung von geteilten Bildern. Genau wie beim Wörterbuch kann jeder Benutzer seine eigenen Bilder hinzufügen.

    Wie ist Cap’FALC entstanden?

    Die Geschichte von Cap’FALC hat einen besonderen Weg.

    Der Kontext: FALC in Frankreich Vor ungefähr 15 Jahren hat die UNAPEI begonnen, die Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen, dass Information für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung zugänglich sein muss. Sie haben die Methode FALC (Facile à Lire et à Comprendre – Leicht zu Lesen und zu Verstehen) gefördert.

    Nach ein paar Jahren wurde die Nachfrage immer größer. Viele Organisationen, Unternehmen und Institutionen wollten ihre Texte in FALC schreiben oder übersetzen. Aber es war klar: Für eine echte Barrierefreiheit müssten noch viel mehr Texte übersetzt werden. Ein kolossales Projekt!

    Der Start des Projekts 2018 hat die UNAPEI beschlossen zu handeln. Sie haben ein Forschungsprojekt gestartet, das in Zusammenarbeit mit renommierten Partnern aus der Künstlichen Intelligenz gemacht wurde:

    • Meta AI (das Forschungslabor von Facebook/Meta)
    • INRIA (Institut National de Recherche en Informatique et Automatique)

    Das Projekt wurde unter die Hohe Schirmherrschaft des französischen Sekretariats für Menschen mit Behinderung gestellt.

    Der Forscher mit FALC-Erfahrung

    Das Projekt wurde einem jungen Wissenschaftler anvertraut: Louis Martin, Doktorand und Forscher über Sprachverarbeitung und Textvereinfachung.

    Seine Herangehensweise war innovativ:

    1. Ausbildung in FALC: Louis Martin hat sich selbst am ESAT de la Roseraie in FALC ausbilden lassen
    2. Immersion in einer Werkstatt: Er hat eine Zeit in einer FALC-Werkstatt verbracht – bei den Papillons Blancs de Dunkerque – um zu verstehen, wie die Übersetzung funktioniert
    3. Sammlung von Daten: Er hat bei Übersetzungswerkstätten Texte gesammelt, die schon in FALC übersetzt waren
    4. Algorithmus-Entwicklung: Mit diesen Beispielen hat er einen Algorithmus mit Künstlicher Intelligenz entwickelt, der automatisch vereinfachten Text generiert

    Co-Entwicklung mit den Benutzern

    Aber Cap’FALC ist mehr als nur ein KI-Algorithmus. Das Werkzeug wurde zusammen mit den Leuten gebaut, die es auch benutzen werden.

    2020: Die Basis-Entwicklung Mitglieder von Übersetzungswerkstätten aus dem UNAPEI-Netzwerk, die Vereinigung „Nous Aussi“ (Selbstvertreter) und die CNSA haben zusammen die Basis von Cap’FALC gebaut.

    2022: Test-Phase Übersetzer aus ESAT vom UNAPEI-Netzwerk haben das Werkzeug getestet und ihr Feedback gegeben.

    Das Resultat: Ein Werkzeug, das auf vielen Ebenen innovativ ist, aber das auch die Erfahrung der Benutzer integriert.

    Warum ist diese Herangehensweise so besonders?

    Partizipation als Prinzip Cap FALC folgt der goldenen Regel von FALC: Die Einbeziehung von Menschen mit Beeinträchtigung. Sie sind nicht nur „Zielgruppe“ – sie sind aktiv an der Entwicklung beteiligt.

    Künstliche Intelligenz als Hilfswerkzeug Die KI schlägt Vereinfachungen vor – aber die Menschen mit Beeinträchtigung entscheiden. Das ist der Schlüssel: Die Technologie unterstützt, aber ersetzt nicht.

    Kollaboration statt Isolation Mit dem Wörterbuch und der Bilddatenbank arbeiten alle Benutzer zusammen. Jede Definition, jedes Bild, hilft anderen.

    Veröffentlichung

    Der Rollout hat 2024 begonnen Anfang 2024 hat Cap’FALC begonnen, im UNAPEI-Netzwerk verbreitet zu werden. Werkstatt nach Werkstatt wird das Werkzeug eingeführt.

    Das Ziel
    Die UNAPEI will, dass die Information für jeden zugänglich wird. Cap FALC soll die FALC-Produktion „demokratisieren“ – also mehr Leuten ermöglichen, mehr Texte in FALC zu produzieren.

  • Accessilingua – Künstliche Intelligenz für Leichte Sprache

    Accessilingua – Künstliche Intelligenz für Leichte Sprache

    Wenn die Technologie die Inklusion unterstützt

    Es dauert 2 Stunden, um einen Basistext von 500 Wörtern in Leichte Sprache zu übersetzen. Im Kontext des Schreibens von Texten in FALC und „Leichter Sprache“ für die Guichet.lu-Website ist es schwierig, Texte in großen Mengen zu produzieren. Was, wenn eine Künstliche Intelligenz dies beschleunigen könnte?

    Das Problem: Zu viel Arbeit, zu wenig Zeit

    Aktuell wählt das Redaktionsteam von Guichet.lu die relevanten und dringenden Texte aus und schreibt sie in FALC und Leichte Sprache um. Danach:

    1. Versand an Klaro: Diese Vorschläge werden an Klaro geschickt, einen Service der APEMH, dem offiziellen Zentrum für Leichte Sprache
    2. Validierung durch Experten: Klaro schickt die Texte an Mitarbeiter mit intellektueller Beeinträchtigung, die prüfen, ob sie verständlich sind
    3. Logo-Zertifizierung: Das Inclusion Europe Logo zertifiziert diese Überprüfung

    Dieser Prozess ist lang und zeitaufwändig für öffentliche Organisationen, was die Verbreitung von Texten in FALC und „Leichter Sprache“ in großem Maßstab begrenzt.

    Eine Lösung: AccessiLingua

    Was ist AccessiLingua?

    Das GovTech Lab hat ein Tool gesucht, das auf Künstlicher Intelligenz basiert und fähig ist, Autoren bei der Übersetzung ihres Textes in Leichte Sprache so effizient wie möglich zu unterstützen.

    Wer steht hinter AccessiLingua?

    Das GovTech Lab des Digitalisierungsministeriums und das CTIE haben in Zusammenarbeit mit dem Familienministerium im Mai 2024 einen Appel à Projet (Projektausschreibung) gestartet.

    Wie funktioniert es?

    1. Input: Schwerer Text Ein schwerer (so werden Texte genannt, die nicht in Leichter Sprache geschrieben sind) Verwaltungstext wird in das System eingegeben – auf Französisch oder Deutsch.

    2. KI-Verarbeitung Die Künstliche Intelligenz (KI) analysiert den Text und produziert eine Version in Leichter Sprache, die die Regeln von FALC oder „Leichter Sprache“ so gut wie möglich respektiert.

    3. Menschliche Korrektur Diese Version des Textes wird noch nachgeprüft und von Fachpersonen für Leichte Sprache validiert. Dies ist essentiell – die KI ist nur ein Hilfsmittel, kein Ersatz für menschliche Experten!

    4. Validierung durch die Zielgruppe Nach dem Korrekturlesen durch Fachpersonen wird der Text wie immer an Prüfer – wie das Atelier Isie – zur finalen Validierung geschickt.

    Was sind die Vorteile?

    Schnellere Produktion Anstatt 2 Stunden für 500 Wörter kann die KI eine erste Version in Minuten produzieren.

    Mehr Texte verfügbar Mit einer KI-Unterstützung können mehr Texte in Leichter Sprache auf Regierungswebsites verfügbar gemacht werden.

    Konsistenz Die KI benutzt dieselben Regeln und bleibt konsistent.

    Luxemburger Kontext Das Tool soll Texte auf Französisch und Deutsch in Leichte Sprache umschreiben, die so gut wie möglich die französischen und deutschen Regeln respektieren, sowie Ausdrücke, Abkürzungen und gebräuchliche Namen im Luxemburger Kontext.

    Wann ist es verfügbar?

    Wirtschaftliche Akteure, die interessiert waren, an „AccessiLingua“ teilzunehmen, wurden eingeladen, ihr Bewerbungsdossier bis zum 10. Juni 2024 einzureichen.

    Ein Dienstleister wurde Ende 2024 ausgewählt.

    Was sagt Klaro dazu?

    Nach einem Interview mit Klaro im April 2025 scheinen die ersten Ergebnisse vielversprechend zu sein. Aber es ist klar: Eine menschliche Korrektur bleibt immer notwendig, bevor ein Dokument an das Atelier Isie geschickt wird.

    Grenzen der KI

    ⚠️ Nicht für jeden zugänglich Am Anfang wird das Programm nur für Regierungsorgane verfügbar sein. Aber Klaro hofft, dass es in Zukunft für die breite Öffentlichkeit geöffnet wird.

    ⚠️ Ersetzt keine menschlichen Experten Die KI kann nicht die Nuancen und den menschlichen Verstand ersetzen. Sie ist ein Hilfsmittel – nicht mehr, nicht weniger.

    ⚠️ Der Kontext ist wichtig Manchmal muss man Informationen hinzufügen oder weglassen. Dies kann eine KI nicht immer richtig entscheiden.

    Andere Länder arbeiten auch daran

    Luxemburg ist nicht allein. Verschiedene Länder arbeiten an ähnlichen Systemen:

    • Deutschland hat Tools für Leichte Sprache entwickelt
    • Die Europäische Union unterstützt Forschungen in diesem Bereich
    • Verschiedene Universitäten arbeiten mit Natural Language Processing für zugängliche Texte

    Die Zukunft: Künstliche Intelligenz als Partner

    AccessiLingua ist ein Beispiel dafür, wie Technologie Inklusion unterstützen kann. Zusammen können wir mehr Informationen für mehr Leute zugänglich machen.