Sprache formt unsere Realität und Wahrnehmung: Sie kann Menschen ein- oder ausschließen. In einer Demokratie sollen alle Personen teilhaben und mitein bezogen werden, auch Menschen mit einer Behinderung sowie Menschen aller Geschlechter. Inklusive Sprache (Gendern) macht alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten sichtbar und behandelt sie gleich, ohne allgemeingültige Regeln vorzuschreiben. Doch Inklusivität und Barrierefreiheit gehen nicht immer automatisch zusammen: Manche typografischen Verfahren, wie der Gender-Stern, können für Screenreader problematisch sein. Dieser Artikel erklärt, wie beides miteinander vereinbar ist.
Inklusive Sprache, eine Frage der Haltung
Eine perfekte, vollständig diskriminierungsfreie Sprache gibt es nicht. Es geht darum, sich bewusst zu machen, mit wem wir sprechen und was für diese Person wichtig ist. Sprache ist stetig im Wandel, indem wir sie aktiv mitgestalten, tragen wir zu einer inklusiveren Gesellschaft bei.
Diskriminierungsfreie Sprache und Ableismus
Diskriminierungsfreie Sprache bedeutet, auf Benachteiligung und Stereotype zu verzichten. Manche Formulierungen sind unbewusst diskriminierend gegenüber Menschen mit Behinderung, man spricht dann von Ableismus. Statt „der/die Behinderte“ ist „Mensch mit einer Behinderung“ die bessere Formulierung; statt „an den Rollstuhl gefesselt“ besser „eine Person, die einen Rollstuhl benutzt“. Im Zweifelsfall kann man direkt fragen, wie eine Person genannt werden möchte.
Mehrere Techniken für inklusive Sprache
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, gendersensibel zu sprechen und zu schreiben. Es sind keine festen Regeln, sondern Vorschläge, je nach Zielgruppe und Kontext:
- Doppelnennungen: Studentinnen und Studenten.
- Gender-Sternchen oder Doppelpunkt: Student*innen, Student:innen.
- Neutrale Formen: Lehrkräfte, Studierende, Personal.
- Kollektivbegriffe: ein Begriff, der eine Gruppe von Menschen ohne Geschlechterunterscheidung bezeichnet, zum Beispiel Kundschaft statt Kunden.
- Aktivformulierungen: ein Satz in Aktiv statt Passiv vermeidet oft die Wahl einer geschlechtsspezifischen Form, zum Beispiel wir bitten Sie um eine Rückmeldung statt Sie werden gebeten, sich zurückzumelden.
Eine Gruppe oder eine Person ansprechen
Bei einer Rede oder einem Brief an eine Gruppe hilft eine neutrale Anrede dabei, niemanden auszuschließen: „Liebe Anwesende“, „Guten Tag zusammen“ oder „Liebes Publikum“ ersetzen Formulierungen, die ein rein männliches oder weibliches Publikum voraussetzen.
Bei einer Person, die man nicht kennt, sollte man ihr Geschlecht nicht annehmen. Ein einfaches „Guten Tag“ mit einem Lächeln ersetzt ein möglicherweise falsches „Guten Tag, Herr“ oder „Guten Tag, Frau“. Setzt sich der Kontakt fort, gibt die Person oft selbst an, wie sie angesprochen werden möchte, zum Beispiel durch ihr Pronomen in der E-Mail-Signatur.
Inklusivität und Barrierefreiheit vereinen
In Leichter Sprache wird die Doppelnennung empfohlen (mit der männlichen Form zuerst), auch wenn dies die Sätze verlängert. Neutrale Wörter wie „Team“ oder „Personal“ sind oft eine gute Alternative; das Gender-Sternchen kann genutzt werden, wenn ein neutrales Wort schwerer verständlich wäre.
Viele blinde oder sehbeeinträchtigte Menschen nutzen einen Screenreader, der Sonderzeichen je nach Einstellung unterschiedlich vorliest, das Gender-Sternchen wird zum Beispiel als „Student-Stern-innen“ ausgesprochen, was für viele blinde Menschen störend ist. Neutrale Wörter und Doppelnennungen sind daher meist screenreaderfreundlicher.
Eine repräsentative Studie der Bundesfachstelle Barrierefreiheit (BFIT-Bund) aus dem Jahr 2022 mit blinden und sehbeeinträchtigten Menschen zeigte, dass weder das Gendersternchen noch der Genderdoppelpunkt einen klaren technischen Vorteil gegenüber dem anderen Zeichen bei der Barrierefreiheit bieten. Es gibt zudem Browser-Erweiterungen, die Screenreadern helfen, Sonderzeichen wie das Gender-Sternchen verständlicher vorzulesen.
Quellen
- S’exprimer sans discriminer, guide pratique pour un langage inclusif, CET, CID Fraen an Gender und CNFL
- Inklusive Sprache, Akzent.lu
- Access42, Ressourcen zur digitalen Barrierefreiheit
- Barrierefrei gendern, was soll ich beachten?, Genderleicht.de








